122 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 2. Kapitel. §17.18
gemeint, jene Lehre gemeint, die an einen inneren wirklichen Werteiner Ware glaubte und die Grundlage des christlichen Waren-handels bildete oder wenigstens bilden sollte. Die Araber ver-wendeten nicht das ins Moralische spielende Wort: justum pretium,sondern sprachen vom mittleren Preise, der wohl auf die griechischegoldene Mitte zurückgeht. Wenn der Araber dann fordert, daß dertüchtige Geschäftsmann das mittlere Preisniveau einer Ware vonjedem Orte kenne, 1 so ist bei den Eavensburgern nicht ausdrück-lich das gefordert worden, aber sie handelten danach.
Man hatte einmal zu viel Leinwand eingekauft und daran ver-loren. „Was soll das Geld verstecken und Wagnis, Mühe undArbeit ohne Nutzen?" „Es ist besser 30 Ballen geführt und mitNutzen verkauft, denn 50 ohne Nutzen. Wir wollen nicht die Weberhofieren und die Zöllner reich machen." 2 „Woran man wohl ge-winnt, dem hebet Hand an." 3
Die ständige Anwesenheit im Geheger ließ besser die Gelegenheitim Ankauf benutzen, als der es konnte, der nur schnell aus demStegreif seine Geschäfte abschloß. „Der Münzer kommt alle Monateeinmal her (nach Genua) und bringt 2 bis 3000 Dukaten mit undlegt die an; wenn auch Ihr also tätet (so viel Geld verwendetet),sollten wir 1 ß oder 18 den. auf die Elle Seidengewand besserenKauf haben als er. Das möcht Ihr wohl glauben. Einer, der stetsan einem Gelieger hegt, soll stets „zu besser Bart" kommen, denneiner, der also eilt und wegreitet." 4 Auch Savary zog den Einkaufdurch einen stehenden Gesellen dem durch einen Kommissarweit vor.
Man drängte auf frühen Kauf. „Nicht jedermann kann Geldso lange darauf hegen lassen als wir. Man muß sie kaufen, eheandere darauf fallen." 5
Man war sich also dessen völlig bewußt, daß der Großhändlerdurch sein Kapital dem Kleinhändler überlegen sei, der immerbar zahlen und in kürzester Frist einkaufen mußte.
„Es ist gut, allweg eine Ware zu sammeln zu ihrer Zeit." 6 —„Ihr müßt es zu seiner Zeit kaufen und nicht warten, bis die Schif-fung kommt; denn auf diese Zeit muß man es teurer kaufen dennsonst." 7
Entschlußfreudigkeit wurde von den Einkäufern verlangt. Häufigkehrt das Bild wieder: „Ihr dürft nicht lange in der Armbrust hegen." 8Ihre Sehne wird ja kraftloser, wem? sie lange gespannt bleibt.„Andere Leute haben solche Mären (Berichte) auch, die auch darinhauen werden." 9 Harter Tadel fehlt nicht: „Von allerlei Ware(zu Valencia) zu kaufen für Flandern, Lyon, sicher, da seid Ihrheuer ganz närrisch mit umgegangen, daß es eine Schande ist,und sicher, Jakob, Hans Konrad, Ihr müßt die Sachen mit mehr
1 Kitter, S. 14f. 2 3, 58.8 3, 68. 85. 128. 9 3, 128.
3, 84. 4 3, 315. 6 3, 58. 6 3, 85. ' 3, 86.