Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Briefbeförderung

Die Eechnung gibt nun auch die Portokosten an.

Posten

Richtung Ravensburg............ 16

Valencia—Saragossa........ 3

Genf, Avignon, Lyon....... 3

Nürnberg, Frankfurt ........ 19

Venedig, Mailand, Genua, London . . 12Köln............... 32

115

g°

104

32

22

93 1 /.657.84

85

391

Die Gesamtportokosten belaufen sich, da damals der Kurs desrheinischen Gulden in Brügge auf 52 g° stand, auf 7,52 fl rh. oderim Durchschnitt jede Sendung 4,6 g°. Bei der genaueren Betrach-tung der Listen ergibt sich, daß derselbe Bote, wenn er etwas ab-liefert, ebensoviel erhält, wie wenn er etwas annimmt, daraus folgt,daß er halb vom Absender, halb vom Empfänger bezahlt wurde.Um die wahren Portokosten zu erhalten, muß man die Summealso verdoppeln. Selbst eine Summe von 15 fl ist über Erwartenniedrig.

In Brügge zahlte man für einen Brief nach und von Köln imDurchschnitt 2y 2 g°, zum mindesten 2, zum höchsten 4y 2 g°. BeiNürnberg-Frankfurt ist der Durchschnitt etwas über 5 g°, nachLondon kostet der Brief meist 4y 2 g°. Für die änderen Entfer-nungen sind Durchschnittssätze mit Sicherheit nicht zu berechnen.Für größere Briefe, die man vorher wog, gab es erhöhte Kosten.

Im Briefbüchlein sind keine Sätze für eigene Boten, die aus-schließlich auf Kosten der Gesellschaft ihren Weg machten, an-gegeben. Es ist wohl zu beachten, daß bei dem reich entwickeltenVerkehr um Brügge herum das Gelieger niemals einen so teurenTransporteur benutzen mußte. Die Zahl der Gelegenheiten, dieBoten und Geschäftsfreunde darboten, reichte aus.

Die Briefe der Gesellschaft enthalten so viele Angaben über Ab-gangs- und Ankunftszeit von Briefen, daß man sogar dafür Durch-schnitte berechnen kann. Es gab damals noch keine Posten, minde-stens waren sie noch nicht für den freien Verkehr nutzbar. Es gabalso nur eigenen und Botenverkehr. Die eigenen Gesellen hattenauf den zwischenliegenden Geliegern meist Aufträge zu erledigen,sie reisten also meist langsamer, die Boten konnten nur strecken-weise benutzt werden und warteten dann auf neue Gelegenheit, sowar der Briefverkehr am schnellsten, wenn die Gesellschaft ihreneigenen Boten aussandte. Und dieser Burkmann kam in 8 oder9 Tagen nach Lyon, in 12 nach Avignon, in 31 Tagen nach Valencia,ein anderer eigener Bote gelangte von Eavensburg nach Barce-lona in 29 Tagen. Ich habe nicht beide Tage der Abreise undAnkunft gerechnet, sondern nur einen, was sicher nicht immerrichtig ist.

_^_^__i___