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114 Drittes Buch. Organisation und Technik des Handels. 1. Kapitel. § 16
Zu einem sehr erheblichen Teile bediente man sich der deutschenBoten, vor allem bis Köln, Frankfurt, Nürnberg oder Ulm. Ammeisten benutzt wurde der Kölner Bote Tonis (13mal), der KölnerTilmann (9), der wohl nach Nürnberg gehörige Seidenater (6),Heinrich mit dem Barte (6, Ulm?), der Nürnberger Contz Ernst (3),Heinrich von Neuß (2), Neustätter (2), Hermann (2), dann Küchlin,Jörg, Männekin von Brügge (je 1).
Nach London gingen Gillis von Gent (1), Torin (2) und JorusSatzinger (1, der aber auch einmal einen Brief nach Venedig be-sorgte, ob zu Schiff?).
Alle diese erhielten Bezahlung. Bezahlt wurden aber auch diefremden Boten. Es erscheint dreimal Claus, des Thomas Portinari,also eines in Brügge hochangesehenen Florentiners, Bote, x dannVenediger (zweimal), Genueser, der Müler (ob einer Transport-genossenschaft?), ein Florentiner, ein französischer Bote für Genua(je einmal). Diese Boten kamen vor allem für die Verbindung mitden südeuropäischen Plätzen in Frage.
Ein erheblicher Teil der Korrespondenz ging aber unentgeltlich,ich zähle nicht weniger als 30 Fälle. Es waren zum Teil Kaufleute,deren Familien uns früher oder später bei der Gesellschaft be-gegnen: Jos Grünenberger (4), Steffen Grünenberger (1), UlrichLeman (1), Ludwig Stüdlin (1). Süddeutsche waren sicher AlbrechtSchad (1, Ulm), der Gienger Diener (1, Ulm), Peter Imhoff (1, Nürn-berg), Heiner Groß (1, Nürnberg). Eomanen waren Frangois Gnichtaoder Guichta (2, einmal mit Geld), Misser Bartolomeo Lipomanni(1, Venedig), Thomas Tisott (1, Freiburg i.Ü.?), P°Bandina (1). Dannerscheinen noch je einmal ein Bonetenmacher, Claus Böder, Bürse-kins Knecht, Hans Thiermaier, Jan Quentinck, Jan van der Werff,Conrad Tischmacher (von Köln) und Heinrich Strauß (3). Zweimalnahmen sie auch unentgeltlich Geld mit. Wir dürfen also als sichereBegel annehmen, daß befreundete Kaufleute unentgeltlich Briefeanderer mitzunehmen pflegten. Bei einigen der Sendungen sind dieTräger nicht klar genannt.
Ein einziges Mal ging ein Brief zu Schiff, er wurde als Begleitungvon Waren nach Valencia mitgenommen, eine Abschrift ging zuLande. Es ist auch sonst nicht selten geschehen, einen Brief doppeltzu senden.
Die Briefe sind vielfach mit der Bemerkung ,,per Köln" usw. be-zeichnet, das will wohl besagen, daß die Briefe an diesem Orte zuHänden des Vertreters der Gesellschaft gegeben wurden, der sieweiterbeförderte, also an das Gelieger, die auf der Messe anwesendenGesellen oder den Kommissionär. So erklären sich leicht alle An-gaben, die vorkommen: Frankfurt, Köm, Lyon, Ulm, Nürnberg,Genf. ____________________________________________________
1 Tommaso war damals Leiter einer Filiale der Medici. Sieveking, DieHandlungsbücher der Medici (Sitz.-Ber. Ak. Wien, phü.-hist. Klasse) 151, 49, 51.
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