Arten der Briefe und Büchlein. Briefbeförderung
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Der Ausdruck recordanza wird mehr für eigentliche Briefe ver-wendet, und in ihnen finden sich meist keine Zusätze oder Notizendes Trägers, die Memorias aber streifen bis an das rein vom Trägergeführte Notizbuch heran und enthalten viel mehr Eechnerischesüber die Eeisekosten und anderes, sie sind auch meist viel form-loser.
Am allerwertvollsten sind die Sammelbriefe, die zugleich anmehrere Gelieger gerichtet waren, solcher sind uns im Originalzwei, in Abschrift zwei weitere erhalten, alle für die Gelieger aufder spanischen Eoute und in Spanien, an ihnen schrieb nur einmalder Träger mit. 2 Die Originale enthalten 60 und 69 beschriebeneQuartseiten kleineren Formates, die etwas splendider geschriebenenAbschriften aber 84 und 50. So eingehende und umfangreicheHandelsbriefe waren bisher völlig unbekannt. Eekordanzen heißenaber auch die Sammelbriefe der spanischen und italienischen Eoute,die nach und nach in den Geliegern entstanden, 3 nur einmal hat eineinziger Geselle — es war Hans Hinderofen selbst — über mehrereGelieger berichtet. 4 Auch diese Berichte sind höchst umfang-reich, sie umfassen 63, 56 und 23 Seiten. Hinderofen schriebderen 26.
Aber auch Berichte von einem einzigen Orte heißen Eekordanzen,und mehrfach ist der Träger an ihnen wenig oder gar nicht beteiligt. 5Endlich hießen so auch von der Zentrale ausgehende mehr oderweniger briefartige Schriftstücke. 6
Die Memorias sind mehr Aufzeichnungen der Träger, doch nichtimmer. Es gibt unter ihnen Instruktionen, 7 aber auch regelrechteBriefe. 8
Ein Transportführer nennt sein Büchlein rechordo, ein andererStraßenbüchlein. 9 Eigenartig ist die Liste der bestellten Waren, dieder Geselle „Eezept" benamst. 10
Fast alle Schreiber setzen über jede Seite eine religiöse Formel.Der Inhalt der Briefe hat uns hier nicht zu beschäftigen.
Einen ganz ausgezeichneten Einblick in den mittelalterlichenBriefverkehr gewährt ein Briefregister, welches in Brügge für ein-laufende und abgehende Briefsendungen vom 5. Juli 1477 bis29. April 1478 geführt wurde, also 299 Tage umfaßt. Es ist meinesWissens das älteste deutsche kaufmännische Briefregister (Porto-buch), das uns erhalten ist. So bescheiden es aussieht, eine Quelleersten Eanges.
95mal kamen oder gingen Briefe ab. Von ihnen wurden durcheigene Gesellen viermal die Briefe besorgt. Am 14. Juli reisteAndreas Sattler mit seiner Eechnung ab, am 2. August kam OswaldKröll, am 1. März ging Hans Kloter, am 8. April kam Hans Hürus.
J Nr. 6, 7, und in Abschrift 9, 11. 2 Nr. 8, 44. 3 12. 4 10, 23, 41 (nur derTräger), 47, 49, 55, 58, 71, 75, 77, 78, 83, 84, 86, 88. 6 16, 34, 69, 72. • 22, 24.' 90 und öfter. • Nr. 39, 40. 9 Nr. 33.
Schult e, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 8