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1 (1923)
Entstehung
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Wirtschaftlicher Charakter der Gesellschaft

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Unterscheidet man aber Groß- und Kleinhandel, d. h. Verkaufim großen von dem im kleinen, so waren die Ravensburger aus-gesprochene^Grj)ßhändier7lff Valencia besaßen sie allerdings nebendem Gelieger eine Bodega, wo die Waren im einzelnen verschlissenwurden. Da kamen Schere und Kleinwage zur Geltung, da wurdeaus dem Kaufmann ein Krämer, da vergaß er den heimatlichenstolzen Sinn und verkehrte im Laden recht mit dem Volke. Bei derSafrananlegung kamen sie wohl auch an den kleinen Bauern heran.Aber sonst war ihr Handel immer Handel mit Kaufleuten, mitFachmännern, die mit großer Vorsicht behandelt sein wollten, ihnengegenüber galt es immer als das Beste, Treue und Glauben zu be-wahren. Die große Masse kam sonst mit ihnen nicht in Berührung.Vielleicht kann man behaupten, daß die Eavensburger gern auchaußerhalb Valencias und vielleicht Genuas Kleinhandel betriebenhätten und nur durch das am Orte geltende Gästerecht daran ver-hindert wurden. Aber die Stellung, die sie gegenüber ihrer eigenenBodega einnahmen, spricht nicht dafür, und als Beleg für denSatz:Charakteristisch ist für das Mittelalter die Vereinigung vonGroß- und Kleinhandel in einer Hand," wird man sicherlich dieseGesellschaft nicht anführen können. Ich kann auch nichtglauben, daß Teilhaber der Gesellschaft in Bavensburg nebenbeiin einem eigenen Laden Tuche zerschnitten oder Gewürze aus-wogen. Wenn die Gesellschaft Gewandschneidern und Spezerei-händlern auf den Frankfurter Messen möglichst half, dannwürde sie doch den eigenen Gesellen Schaden gebracht haben,die Kleinhandel nebenbei betrieben. Was aber in BavensburgBegel war, braucht es nicht in allen deutschen Städten undimmer gewesen zu sein.

Die Ravensburger trieben ihr Geschäft nicht nach persönlicherLaune, der Gedanke desGeschäftes" stand über dem Persönlichen,sie richteten wie wir sehen werden den Sinn auf den Gewinn,auf den Nutzen. Sie huldigten auch dem Rationalismus im Sombart-schen Sinne,wo ein Ding mit den mindesten Kosten zuginge, wäredas Beste". Sparsamkeit und doch nicht Kargen mit Ausgaben,die an anderer Stelle' Ersparungen herbeiführten, werden wir siebeobachten sehen.

Aber alles sollte mit redlichen Mitteln zugehen. Immer wird dasgepredigt.Darum, liebe Freunde, sehet an allen Enden dahin,daß uns kein Schaden zustände und geht aufrichtig und redlichmit jedermann um mit Gewicht und Maß und an Zöllen, als dasunsere Vordem auch getan haben. So geht es uns auch desto glück-licher; denn wäre das nicht gewesen, so ist zu glauben, die Gesell-schaft hätte nicht so lang gewährt. Habt Gott vor Augen und seidin allen Dingen vorsichtig, insonder jetzt in den schweren wildenLäufen voraus in Frankreich; denn sicher, dies Wagnis ist groß unddie Gewinne schmal. Darum, so muß man große Emsigkeit brauchen,