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Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 3. Kapitel. § 12
stalten, daß ein westeuropäisches System entstand, so groß, daßman nicht nur auf den Messen die Meßkonjunkturen ergründen,sondern auch an der Stelle der Produktion die Produktionskonjunk-turen wenigstens einiger Waren feststellen konnte. Die Assoziierungder Kaufleute, die Vergenossenschaf tung des Handels — allerdings fürdas Interesse der Händler, aber zugleich auc h zu m Vorteil der hei-mischen Produzenten — hat in Oberschwaben durch die Gesellschafteine damals und auch später durchaus ungewöhnliche Höhe erreicht.1 Die Eavensburger Gesellschaft war ein kapitalistisches Unter-nehmen im Sinne Sombarts. Er, der diesen Begriff möglichst ein-schränkt, fordert dafür: 1. sie muß von Dauer sein. Gelegenheits-unternehmungen können nie von Dauer sein; 2. sie muß ein von derPerson losgelöstes Geschäft sein. Das aber hat zur Voraussetzung:a) eine Firma, b) ein Geschäftsvermögen, c) eine systematische Buch-haltung. Alle diese Erfordernisse besaß die Eavensburger Gesellschaft.
Es ist vielfach darüber gestritten worden, ob das MittelalterGroßhändler und in welchem Umfange gekannt hat. Wenn mandarunter Kaufleute versteht, die sich auf ein großes Kapital stütztenund einen großen Umsatz hatten, so wird man die EavensburgerGesellschaft als Einheit wegen ihres Kapitals von 130 000 rh. flund ihres Umsatzes von 260 000 sicher dazu rechnen müssen, magsich auch bei 80 an der Zahl der Geschäftsanteil des einzelnenGesellen auf durchschnittlich 1625 fl beschränkt haben.
Ein so großes Geschäft beruhte in letzter Linie auf der Intelligenz,der Entschlußfähigkeit, Ausdauer, dem Fleiße und der Autorität destatsächlichen Leiters. In Eamiliengesellschaften ist die Furcht vorder dritten Generation auch wohl in jenen Zeiten maßgebend ge-wesen; wir sehen es bei den Mötteli und den Fuggern. Eine genialePersönlichkeit voll Arbeitslust gab dem Geschäfte seine Blüte, derSohn, in Achtung vor der Arbeit aufgewachsen, hielt sie aufrecht,der Enkel, durch die Mutter als reicher Sohn aufgezogen, an volleArbeit nicht gewöhnt und zu ihr nicht gewillt, läßt das Geschäftsinken. Auch bei den Eavensburgern konnte sich diese Gefahr nichtvöllig abwenden lassen, die Humpis und Muntprat traten in derZeit von 1470 an durchaus nicht mehr in leitenden Stellungen her-vor. Man machte zu wirklichen Leitern Leute bis dahin unbe-kannten Namens.
An dem Blühen der Gesellschaft waren alle interessiert, sie wirktenicht durch bezahlte, am Gewinn nicht ernsthaft beteiligte Faktoren,sondern überall durch Teilhaber am Geschäftskapital, wenn sieauch Diener und Lehrlinge ohne Einlage nicht völlig ausschloß.Die offene Handelsgesellschaft war dadurch anderen Gesellschafts-formen und Individualbetrieben überlegen, wenn auch die Größeder Gesellschaft die Arbeit des einzelnen wie seine Sünden minderstark auf das Gesamtergebnis einwirken ließ, als es bei kleinerenGesellschaften der Fall war.
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