76 Zweites Buch. Organisation der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 10
Wein und Bier und endlich auch das Beichtgeld, Heinz beichteteregelmäßig zu Weihnachten, einmal auch in der Fastenzeit. Bnd-lich rechnete er der Gesellschaft auch Almosen, Gaben ins Kind-bett und Neujahrsgeschenke auf, so erhielt der Knabe seines Wirtesals „Kramatt" ein Pferd, wohl ein Schaukelpferd.
Die Gesellen wohnten entweder im Gelieger selbst oder bei denObmännern oder bei einem Vermieter. So zahlte Heinrich Weyerin Nürnberg bei Jos Mayer dem Obmanne 3 / 4 fl wöchentlich fürWohnung und Speisung, in der Zeit, da er bei dem Wirte wohnte,aber 1 fl (3,328), Daniel Wolff und Lutz Geßler ebenso 1 fl (332,334, 354), Jörg Koler in Mailand bei Claus im Steinhause 12 ß Mail.(268). Die jungen Leute zahlten in Brügge gemeüVich für dasJahr 3 U (460). Hans Hinderofen verrechnet für Genf täglich()% gr. Savoyer, für Lyon 5 g de rey (196). In Bourg en Bressezahlte der junge Claus Bützel 3 gr. de rey. In Meßzeiten waren diePreise höher, und in Frankfurt wurde ein Bett mehrfach besondersin Eechnung gestellt (334, 363), nicht jeder hatte eines. HeinrichStüdlin und Ulrich Gessler zahlten 1523 in Saragossa mit einemKnechte in der Herberge an Speise, Brot, Wein und Fleisch fürjeden Tag 5 ß, für „anpastos" in der Herberge für Holz und Lichtzusammen 1 U 10 ß 9 $, für die Bosse 2 U 8 ß 4 ,3, (246).
Während jüngere Gesellen alle Einzelposten des sonstigen Ver-brauches genau aufschreiben mußten, wodurch Heinz Wyers Büch-lein eine einzigartige Quelle für die Lebenshaltung eines spätmittel-alterlichen Menschen wird, kam man mit älteren Gesellen aufDiäten ab, man nannte das Hadergeld auch Haidergeld (328). Esumfaßte die Zeche und das Badergeld. Heinz Wyer erhielt später,als er sich ausreichend bewährt hatte, die Woche % fl (331), LutzGessler verbrauchte in zwei Jahren an Wein- und Biergeld, Holzung,Badgeld und sonst allerlei in Nürnberg 18 fl 1 ß 6 ^ (334). DasSehergeld war auch wohl auf die Woche gestellt: in Lyon 1 Blappert(197), in Nürnberg kostete das Bad je 3 oder 4 hl. (328).
Das Schuhwerk kann unmöglich so gut gewesen sein als in denZeiten unserer Großväter. Nicht Lutz Geßler und Heinz Wyerallein verbrauchten allein eine für heutige Begriffe große Zahl. ClausBützel erwarb in einem Jahre 18 Paar Fußbekleidung (1 Stiefel,1 Halbstiefel, 13 Schuhe, 1 Nachtschuhe, 1 segola, 1 Schelschuhe),der weit sparsamere Hans Hinderofen versah sich in Lyon mit5 Paar Schuhen und 1 Paar Socken (197), der rüstige WandererHans Her verbrauchte in 114 Tagen Alpenfahrt 3 Paar Schuhe,8mal wurden sie ,,gebletzt". Außer den Schuhen erscheinen Stiefel,vor allem für Reisen zu Messen und sonst, Winterstiefel kosteten inNürnberg 1 fl (3, Nr. 67), Wanderschuhe, Nachtschuhe. Auch einPaar Fußeisen werden erwähnt und doch ritt Jörg Koler in Winter-zeit den Weg von Ravensburg nach Nürnberg, sie waren wohl fürdas Roß bestimmt.