38
Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4
33»
m»:
Wm$m
wichtig, daß der Kaiser, da „die uffleuf . . . zumeyst uß den zünftender liniweber und gerwer komen und dargangen sind", diese Zünfteaufhob. 1 Die Stadt mußte 28000 fl Strafe an den König zahlen.' 2
In der Eevolution von 1429 und in den vorausgegangenen Span-nungen stecken wirtschaftliche Momente. Die Konstanzer Leine-weber sahen die enormen Gewinne, die die Muntpratgesellschafteinstrich, und glaubten auch ohne die Gesellschaften auskommenzu können. Solange eine große Zahl von Kaufleuten den Webernnachlief, war deren Eechnung gesichert; der Zusammenschluß zuGesellschaften hatte dann die Konkurrenz vermindert, und vollendsmußte das eine auf viele Städte sich verteilende Gesellschaft tun.Wir wissen nicht, in welcher Weise die Muntprats einkauften, aberdas leuchtet aus der Tatsache hervor, daß da wohl der älteste nach-weisbare Kampf einer deutschen Zunft gegen die sich ausbildendeMonopolstellung einer Handelsgesellschaft vorliegt.
Lütfried Muntprat war Sieger gebneben, er nahm im kleinen Eatevon 1431 wieder einen Sitz ein, den er fast imunterbrochen bis zuseinem 1447 erfolgenden Tode beibehielt, wo sein Schwiegersohn, desKaisers Beamte und Vertraute, Eitter Marquard Brisacher, dannin den Stuhl sich setzte, er, der den Überlinger Spruch des Kaisersals sein Protonotar untersiegelt hatte. Aber so ganz zufrieden istLütfried wohl schwerlich gewesen; denn die städtische Leinewebereihatte ihre Höhe überschritten, wie wir das später sehen werden.Und sollte die Muntpratgesellschaft bis dahin unabhängig gebliebensein, was ich nicht glaube, so hat Lütfried sicher damals oder dochbald darauf sie in die Eavensburger Gesellschaft aufgehen lassen.Auch trafen ihn schwere Verluste.
1432 war Lütfried auf fünf Jahre in Überlingen, saß aber schon1434 wieder im Eate von Konstanz. 3 Jener Spekulant Ulrich Im-holz brach 1435 zusammen; das äußert sich in den Steuerbüchern.Das Vermögen Konrad Muntprats sank um 13090 U hl., das Lüt-frieds um 11500. Ulrich Imholzens Anwesen zum „Leithund" gingsofort an Konrad Muntprat über. Wenn der Bankrott auch nichteine Schuld von 80000 fl und mehr ergab, so war es doch einNiederbruch, der weithin die Geister aufregte.>•'- Im Frühling 1447 4 starb Lütfried und wurde wohl in der St. Pauls-kirche beigesetzt, zu welcher Pfarrei sein Wohnhaus Zum weißen Pfau 5
1 Der Spruch bei Kuppert, S. 361—368. Es ist auch nicht zu übersehen,daß der König in diesen Tagen bei einer Bodenseefahrt ein Gast Hansen Möttelisin Arbon war. Buppert, S. 292 (Mörlin verlesen für Mötelin). Die Mötteli er-hielten eine Besserung ihres Wappens. Alt mann, Regesten Sigmunds, Nr. 8030.
2 Die Bezahlung erfolgte zum Teil sehr schnell. Über 22 725 fl liegen Quit-tungen vor bei Altmann, Nr. 8024 usw.
3 Bürgerbuch Stadtarchiv Überlingen.
4 6. Juni 1447 tot, 18. Febr. noch lebend. St. Galler Urkundenbuch 5, Nr. 4918und 4861.
6 Heute Husenstraße Nr. 19.