Leineweberei. Eonstanz. Wirtschaftliche Kämpfe. Oberschwaben 39
gehörte und wo er 1417 eine Pfründe am Katharinen- und Drei-königsaltare gestiftet hatte. 1 Mit ihm war einer der genialstenund tatkräftigsten Kaufleute dahingegangen, Konstanz erlebtekeinen zweiten von seiner Bedeutung. Aus einer mangelhaftenÜberlieferung tritt er uns als der erste deutsche Großkaufmanndeutlieh entgegen, als erster, der den Kampf des Großunternehmer-tums gegen die kleinen Produzenten durchzufechten hatte. ImArchive der Humpis lag einst ,,ain register, waz Lüpfrid Munt-prat hinder im verlassen hat". Was für einen Einblick in dasLeben dieses bedeutenden Mannes würde es gewähren, wenn eserhalten wäre. 2
Von anderen oberschwäbischen Städten kennen wir am bestendas Wirtschaftsleben von Leutkirch, Isny und Lindau. Die IsnyerStadtrechtsquellen, die tief in das 14. Jahrhundert zurückgehen,nennen kein anderes Gewerbe entfernt so oft als die Leineweberei.Es arbeiten nicht nur die zünftigen Leineweber, sondern ein jederdarf für drei Tuche Garn aufkaufen und sie selbst dann weben.Das stempelte man mit dem Stadtzeichen (der Lilie), und auf diesorgfältig gepflegte Färberei kam auch Leinwand von Kemptenund St. Gallen.
In dem kleinen Leutkirch scheint die Leineweberei eine geringereBolle gespielt zu haben, aber in Wangen war neben den Sensen derSensenschmiede wieder die Leineweberei der Stadt Ausfuhrgewerbe.In Kempten machte man im 16. Jahrhundert gute Messer und vielLeinwand, weiß und blau, in dem gewerbereichen Memmingen fehltdie Leineweberei nicht. In Ulm, Memmingen und Biberach über-wog wohl schon um 1400 die Barchentweberei, aber für die UlmerGolschen ward schon 1346 eine Leineweberordnung aufgestellt, undauch in Biberach fehlen nicht alle Beweise für Leineweberei. DerBeichsstadt Pfullendorf Leineweberzunftordnung stammt von 1383. :!Überlingen kennt keine Leineweberzunft.
Ich führe das aus, um zu zeigen, daß das gemeinsame Ex-portgewerbe die Leineweberei nicht nur Bavensburg und Kon-stanz verband, sondern auch fast sämtliche Beichsstädte Ober-schwabens.
Und jenseits des Bodensees bestand in St. Gallen ein Leinwand-zoll schon 1303. 4 Mit 1349 setzen die Bechnungen der städtischenBleiche ein, vor allem aber die älteste vor 1364 entstandeneLeinwandordnung kennt neben Leinwandmessern auch schon eineSchau, und diese streng gehandhabt zu haben, war für die Stadt
1 Eieder, Nr. 8531. Dann 1441 Urkunde, Konstanz Stadtarchiv, Nr. 1597.
2 Im Eatzenrieder Archiv fand ich nur diese Notiz von 1502, nicht das Stückselbst. Unten 3, 486.
3 Walchner, Gesch. d. Stadt Pfullendorf, S. 172.
4 Schilling, Urkundenbuch zu 2 St. gallischen Handels- und Industrie-geschichte, Nr. 19.
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