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1 (1923)
Entstehung
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Erstes Buch. Entstehung der Gesellschaft. 2. Kapitel. § 4

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Zwischen den Leinewebern und den' Geschlechtern kam es zuvielen Streitigkeiten, jene treten in den zahlreichen Zunftunruhenscharf hervor. Die schwerste aller Zunftrevolutionen, die von 1429,war nicht nur von politischen Gründen bestimmt, sondern auchvon wirtschaftlichen. Die Zünfte hatten 1425 das Verbot derHandelsgesellschaften erzwungen und elf Konstanzer Kaufleuteschwuren, innerhalb anderthalb Jahren von ihren Gemeinden zulassen. 1 Lütfried Muntprat, Antoni Geisberg, Hans Blarer undBerthold Vogt gaben schon 1427 ihr Bürgerrecht auf, doch batLütfried ihn bei der Gemeinde, d. h. bei seiner Gesellschaft bleibenzu lassen, das sollte an die Gemeinde gebracht werden. 2 Er wollteoffenbar von dem geleisteten Eide entbunden werden.

Der Erfolg blieb aus. Ein solches Vorgehen gegen die Gesell-schaften konnte nur dann zum Ziele führen, wenn die anderenStädte, in denen solche Leineweberzünfte vorhanden waren, demBeispiele folgten, und das tat keine. Konstanz aber konnte amwenigsten allein vorgehen; denn die Leinwand vom Lande warnicht unbedingt von dieser Stadt abhängig. Im März 1429 faßteder Eat einen Entscheid, der die Lage deutlich ergibt.Als beiZeiten," heißt er,große Klagen gewesen ist von der Gemeindenund Gesellschaften wegen und die nun durch Rat und Gemeindeverboten wurden um des Nutzens der Lande, Reicher und Armerwillen und da man meinte, daß andere Städte das auch vornehmenwürden, was nicht geschah, und als dadurch die Gewerbe von hinnengezogen wurden und das Kaufhaus großen Abgang erlitt, hat derRat das alles vorgenommen und hat ein großer Rat den Kauf leutenerlaubt, ihre Gemeinden und Gesellschaften wieder zu haben mitBürgern, Gästen und andern, so es ihnen gefällt, doch so, daß siedas ehrbarlich und der Stadt unschädlich betreiben und daß an dasKaufhaus das gelange, was ihm billig werden soll, es sei von Bürgernoder den Gästen." 3

Lütfried verblieb nun Bürger und in der Stadt. Aber die Gärungging weiter. Die Geschichte jener Tage zeigt in Konstanz einenleidenschaftlichen Gegensatz der Zünfte gegen diejenigen aus ihrerMitte, die entweder ganz aus einer Zunft ausgeschieden und zu derGesellschaft der Geschlechter, zur Trinkstube auf der Katze über-

1 Kuppert, Chroniken der Stadt Konstanz 393. Doch ist an dieser Stellevon den gemainden" zu lesen, was einen ganz anderen Sinn gibt. Vgl. Maurer,Ulrich Imholz in Schriften d. Ver. f. Gesch. des Bodensees 44, 99. In demAmmanngeriehtsbuche kann man fünf als Häupter oder Glieder von Gesellschaftennachweisen. Drei hier genannte fehlen (Barth. Vogt, Hainz Pfanner und Joh.Bickenmoos). Von den übrigen der elf könnte, was von Philipp Näter zutrifft,gelten, daß sie den Muntprats zugehörten: Ulrich Ehinger, Jacob Apenteger,Diethalm Schiltar, Antoni Gaißberg und Hainrieh Kraft. Alle diese Geschleshtermit Ausnahme der Schiltar und Kraft sind später in der großen Gesellschaftnachzuweisen.

2 Konstanz, Ratsbuch 1427, S. 129.

3 Schulte 2, Nr. 356.