Druckschrift 
1 (1923)
Entstehung
Seite
6
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Einleitung

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wird ja nicht einem fremden Boten übergeben, sondern ruhte sicherin der Brieftasche eines erprobten Gesellen. Die eine umfaßt nichtweniger als 69 Seiten; aber auch andere sind nicht viel kürzer. Undda reden nun die Herren in Ravensburg oder die Gesellen in denGeliegern über alle und jede ihrer Sorgen, nur selten verlassen siesich ganz und gar auf das mündliche Wort des Überbringers. JedeWare, jeder zweifelhafte Kunde, Erfolg und Verlust, Absichten undBedenken, Beschwerden, aber auch Lob und Anerkennung, Er-mahnungen und Tadel werden besprochen oder vorgebracht. DieHandelsgrundsätze predigen die Regierer und das Echo kommt ausden Geliegern zurück. Und das alles wird in der herrlichen Sprachevorgebracht, deren Satzbau noch nicht vom Latein verunziert ward,in dem Büderreichtum einer noch nicht verkünstelten Gesellschaft.Wohl ist die Sprache mit Fremdwörtern durchsetzt, und nicht geringist unser Erstaunen über den meines Wissens nie beobachteten Ein-fluß der katalanischen Sprache. Dem näher nachzugehen fehlt mirdie sprachliche Schulung. Aber ich bin überzeugt, daß die Sprach-forscher an diesen Quellen nicht vorübergehen werden. Ja, ichwürde mich nicht wundern, den Brief von Alexius Hilleson an seinejung vermählte Gattin aus Mailand in einem württembergischenLesebuche für das Volk wiederzufinden. Oberschwaben hatte dasGlück, in der Zimmernschen Chronik eine Quelle zu haben, die Lebenund Treiben, Sinnen und Trachten des oberschwäbischen Adelskristallklar zeigt, nun hat es eine zweite, die den oberschwäbischenKaufmann so deutlich erkennen läßt wie den Kiesel im klaren Bache.

Wo sind uns Meßzettel, Verkaufszettel, Meßinstruktionen über-liefert? In der Rechnung des Nürnberger Geliegers und der vondort versorgten Messen von Frankfurt und Nördlingen haben wirdas beste oberdeutsche Geschäftsbuch des ausgehenden Mittelalters.Aus all diesen Quellen wird fast alles klar, was wir von der Handels-technik wissen möchten, doch auch da bleiben Fragen übrig.

Im achten Buche sind Beiträge zur Geschichte der Handelswegevereinigt, soweit sie nicht schon im sechsten zu behandeln waren.Und das Material reicht sogar aus, um wesentliche Aufklärungenfür die Geschichte der Mittelmeerfahrten und der im AtlantischenOzean bieten zu können.

In zwei weiteren Büchern ziehe ich Schlüsse auf die Vorgeschichtedes oberschwäbischen Handels und behandle das Ende der Gesell-schaft, um mit einer Erörterung der großen Fragen der Wirtschafts-geschichte jener Zeiten zu schließen.

Wie ich das Geschriebene überlese, habe ich das Gefühl, etwasruhmredig gewesen zu sein. Meine Absicht war, die Bedeutung derneuen Quellen zu zeigen und den Leser auf seinen mühseligen Wegvorzubereiten, ihn auf die Hauptpunkte aufmerksam zu machen.Es ist mir bei der Bearbeitung des Fundes oft der Vergleich mit derBedeutung der Papyri gekommen. Sicherlich die Welt, die sich in

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