Einleitung
Meinung zweier der besten deutschen Kenner der Münz- und Geld-geschichte, Dr. Julius Cahn und Professor Dr. Alfred Noß, habenmich davon abgebracht. Selbst wenn die Werte des rheinischenGuldens in der von Cahn berechneten Tabelle absolut richtig sind,selbst wenn auch zahlreiche Eelationen des Wertes lokaler Münzenzum rheinischen Gulden sich finden, so bleiben doch Zweifel genug.Steckt in jeder dieser Eelationen wirklich keinerlei Aufschlag oderAbschlag, kein Wechseldiskont? Und wenn das alles sauber undreinlich gemacht wäre, dann hätte ich Maße und Gewichte völligexakt in unsere heutigen umrechnen müssen. Bei der riesenhaftenAusdehnung des Geschäftes hätte ich mich der verstecktestenLiteratur bedienen müssen, um z. B. genau das Safrangewicht vonCasalmaggiore feststellen zu können. Ich will nicht sagen, daß dastechnisch unmögHch sei. Aber das hätte eine weitere außerordent-liche Arbeitslast ergeben, und schließlich war es doch nicht meineAufgabe, in diesem Buche den berühmten Werken des EngländersBogers und des Franzosen Marquis d'Avenel ein deutsches Gegen-stück an die Seite zu stellen, das ihre Fehler noch dazu vermeidenmußte.
Einen Schritt kommen diesen Bedürfnissen der geldlichen Er-fassung die Abschnitte des zwölften Buches entgegen, das über dievorkommenden Münz-, Maß- und Gewichtssysteme Auskunft gibtund dem auch die Cahnsche Tabelle des Goldgehaltes des rheinischenGulden beigegeben ist.
Uns bieten die Quellen in vielen Punkten ein völlig klares Büdder Organisation einer großen, über viele Gelieger gebietendenHandelsgesellschaft. Leider sind die Züge fast überall aus derPraxis zu schließen, da das Statutenbuch der Gesellschaft verlorenist. Leider. So mußte eine Frage — und es ist gerade diejenige, dieder Handelsrechtshistoriker zuerst stellt: die nach den Grenzen derHaftpflicht oder, was dasselbe ist, nach der rechtlichen Qualität derGesellschaft — ohne eine völlig gesicherte Antwort bleiben. Unddoch gewinnen wir tiefe Einblicke in die rechtliche und wirtschaft-liche Organisation einer Handelsgesellschaft von 50 und mehr Kauf-leuten, die trotz aller Krisen, allen Ausscheidens von erprobten, aberunzufriedenen Gesellschaftern, trotz dieser Dinge, die im siebentenBuche dargestellt sind, 150 Jahre zusammenhielt, somit älter wurde,als die allermeisten Gesellschaften von heute es sind.
Für das dritte Buch: Handelstechnik, lag ein Quellenstoff bereit,wie wir ihn auch für das 16. Jahrhundert für kaum eine deutscheFirma besitzen. Ganze Gruppen von Handels quellen werden unshier zum ersten Male bekannt. So war sogar das Wort Bekordanzverloren gegangen, und nun liegen solche Briefe, die der über-bringende Geselle nach und nach auf seiner Fahrt in den Geliegern,die er aufzusuchen hatte, mündlich erläutern sollte, vor, mit einemInhalt, der vertraulich redet und reden darf; denn die Bekordanz
itiS