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schmeicheln, in ostentativer Demut zu Füfsen, kurz aufs deut-lichste trat schon die grofse Anomalie an den Tag, an der dasReich Ottos des Groi'sen einst zu Grunde gehen sollte: die Macht,die thatsächlich die Kirche beherrschte, war durch das geltendeKirchenrecht principiell hierzu nicht im Geringsten befugt. JederEingriff, den sie sich erlaubte, war also im Grunde ein Rechts-bruch, und nur solange und insoweit konnte sie unbehelligt ihrenEinflufs geltend machen, als die Leiter der Kirche dem nichtwiderstrebten. So erst kann man begreifen, wie wichtig für denKönig bei seinem Vorhaben die Zustimmung und Unterstützungdes Hauptes der deutschen Bischöfe, des Willigis, war, wie sehrihm überhaupt daran gelegen sein mufste, mit diesem mächtigenManne in guten Einvernehmen zu leben.
Die Gründung von Bamberg war allem Anschein nach dieletzte bedeutendere Angelegenheit, bei der Willigis Heinrich mitRat und That zur Seite stand. Zwar sind beide auch nach derFrankfurter Synode noch öfters zusammengetroffen 1 . Willigiswird sich, wie es die Sitte gebot, bei dem König eingefundenhaben, so oft dieser in den Pfalzen des mittelrheinischen LandesHof hielt. Er schlofs mit ihm am 18. Mai 1008 mehrere Tausch-verträge zu Gunsten von St. Stephan in Mainz 2 . Ertrug ver-mutlich durch seine Empfehlung dazu bei, dal's Heinrich seinenKämmerer Megingaud 1008 zum Erzbischof von Trier beförderte 3 .Ja, während des Winters 1009 unterzog er sich noch einmal denBeschwerden der Hoffahrt 4 . Jedoch nach dem März 1009 tauchtsein Name nie mehr in den Urkunden und Annalen auf. Ver-mutlich lebte er nunmehr wesentlich nur noch der Erfüllung seinergeistlichen Amtspflichten und der Verwaltung seines ausgedehntenGrundbesitzes, bis ihn am 23. Februar 1011 zu Mainz ein plötz-licher Tod ereilte 5 .
In welcher Weise seine aufserordentliche politische Thätig-keit auf die Schicksale der Mainzer Herrschaft zurückwirkte,was er als Grundherr und als Geistlicher ausrichtete, das ist fürdie Geschichte des Mainzer Erzstuhls von solcher Wichtigkeitund bietet zugleich ein so konkretes Bild von dem Leben undTreiben eines geistlichen Fürsten jener Tage, dal's es uns ob-liegt, in einem besonderen Kapitel uns eingehender damit zu be-schäftigen.
1 Beilage 1.
2 Stumpf R.K.. 1491—1494.
3 Thiet. VI, 35 (25).
4 Beilage 1.
5 Inopinata morte preventus nach einer Urkunde Erzbischof Ruthardsfür St. Stephan von 1099, die auf guten älteren Nachrichten beruhenkann. Falk: in Katholik 1881, 2, S. 395. Über Jahr und Datum cf. dieausführlichen Nachweise in Will. R. I, S. 142 m\ 173.