Druckschrift 
Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

während des Wendenfeldzuges im Jahre 995 des Königs Gunsterworben hatte. Ende des Jahres taucht dann zum ersten Malein einer Urkunde der Name des italienischen Kanzlers Heribertauf*: alles kleine Anzeichen dafür, dafs sich allmählich die Um-gebung des Königs veränderte, dafs sich ein Umschwung in derPolitik des deutschen Hofes vorbereitete. Allerdings stiefsen dieweltkaiserlichen Pläne, die den jungen König erfüllten, bei Willigisebensowenig auf Widerspruch wie bei irgend einem anderen Mitgliededes deutscheu Klerus: eine der letzten universalistischen Mafs-regeln der Regentschaft, die Entsendung der Bischöfe von Würz-burg und Piacenza nach Byzanz, um für Otto um eine griechischePrinzessin zu werben, war allem Anscheine nach von ihm mitbefürwortet und beschlossen worden 2 . Aber er war zu alt undzu nüchtern, um sich für die überschwänglichen Ansprüche zu be-geistern, die Otto mit dem Kaisernamen verband, und die phan-tastischen Pläne zu teilen, die dieser wahrscheinlich schon damalsin Erinnerung an Karl den Grofsen mit der ganzen Inbrunst seinerfrommen Seele gefafst hatte 8 . Es war die natürliche Konsequenzdieses Alters- und Temperamentsunterschiedes, dafs je mehr derKönig heranreifte, je mehr er sich in seiner Eigenart befestigte, destomehr des Willigis Einflufs zurücktrat, und jüngere, beweglichereGeister oder geschmeidigere Naturen, wie Gerbert von Aurillac,seinen Platz einnahmen.

Indes bis Otto die Kaiserkrone empfing, waren er undHildibald unstreitig noch die mächtigsten Männer des Hofes.Ende Juli 995 treffen wir ihn auf einer Synode, die in Gegen-wart Ottos im Kloster Gandersheim stattfand 3 . Von da be-gleitete er den König nach Magdeburg, wo in einer grofsen

1 D. 0. III, 184, zwischen 995 November 12. und November 19. —Andere Personen, die als Intervenienten auftauchen, sind: Abt Hatto vonFulda für Zeitz D. 163; Markgraf Gero D. 173.

2 Der Beschlufs war von den Machthabern gemeinsam im Herbst994 gefafst worden, cf. S. 76.

3 Gerbert brachte nur Gedanken zur Eeife, die längst in der Seeledes Kaisers Wurzel geschlagen hatten.

* V. Bern, cap, 13. S. S. IV, S. 764 Z. 35. Die Zeit wird dort nichtangegeben. Sie läfst sich nach den Angaben Thangmars über die Teil-nehmer bestimmen: terminus a quo ist das Jahr 994, das Jahr der Er-hebung Liudulfs von Trier, Potthast Suppl. S. 427, terminus ad quem:996 April 18., der Todestag Milos von Minden, Potthast a. a. 0. S. 363.Da nun Otto die ersten Monate des Jahres 996 nachweislich in Khein-fVanken zubrachte, dann aber sogleich nach Italien aufbrach, so kanndie Synode nur in die Jahre 994 oder 995 fallen. Nach D. 147 Septem-ber 22 — D. 151 Oktober 15. hielt sich Otto im Frühherbst 9 94 inSachsen auf. Aber damals begleitete ihn noch seine Grofsmutter, dieKaiserin Adelheid, D. 150. Hätte die Synode 994 stattgefunden, so hätteThangmar höchst wahrscheinlich auch ihrer gedacht. So wird die Ver-mutung nahe gelegt, dafs sie erst 995 abgehalten wurde. Während diesesJahres ist der König Juli 30 in Gandersheim selbst nachweisbar, cf. D.169. Zwei der als Beisitzer erwähnten Bischöfe begegnen uns dort inseiner Umgebung: Willigis und Hildibald. Die Synode fand mithinhöchst wahrscheinlich im Juli 995 statt.

^SSfrT aas;