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Willigis von Mainz : ein Beitrag zur Geschichte des Deutschen Reichs und der deutschen Kirche in der sächsischen Kaiserzeit
Entstehung
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später seine Bildung empfangen und dann am Dom ein Kanoni-kat bekleidet 1 , bis er von Kaiser Otto dem Grofsen zum könig-lichen Kanzler ernannt worden sei. —

Von diesen Angaben wird nur die letzte, die Berufung in

vindizieren gesucht. Er beruft sich auf Thiet. III, 5 (3>, wonach in derNacht, in der Willigis geboren wurde, totum iumentum des Hauses einewunderbare Menge männlicher Juuge zur Welt brachte. Iumentum über-setzt nun der Rezensent mit „Zugtier" und hält sich auf Grund dessen zuder Annahme berechtigt, dafs die Anekdote „augenscheinlich auf einemBoden beruhe, der für das Fuhrmannsgewerbe des Vaters ganz unver-werfliche Argumente aufweise." Aber iumentum heifst gar nicht Zug-tier, sondern einfach Stute. Cf. Du Cange. Ferner gab es um die Mittedes 10. Jahrhunderts in Sachsen noch gar kein besonderes Fuhrmannsgewerbe. Ist überhaupt das Geschichtehen auf Grund einer richtigenVorstellung vom Stand und Berufe des Vaters entstanden, so läfst sichdaraus höchstens schliefsen, dals derselbe Pferdebesitzer oder Pferdehirtwar. Es wird mithin auch heute noch bei Leibnizs Urteil sein Bewendenhaben müssen. Was die Entstehungszeit der Sage anlangt, so ist alsterminus a quo das Jahrfünft 1147—1153 festzuhalten, während dessenzu St. Stephan in Mainz das officium Willigisi verfafst wurde, das vonihr noch nichts weifs, als terminus ad quem die Entstellungszeit derAlberichschen Chronik 1232—52, cf. Wattenbach II, 462. Also ungefährum die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts wird sie sich gebildet haben.Als Entstehungsort kommt natürlich zunächst Mainz in Frage. Hierwar um die Mitte des 12. Jahrhunderts das Interesse an Willigis wiedererwacht. Man hatte begonnen, ihn als Heiligen zu verehren. Hier waralso die psychologische Disposition zur Sagenbildung vorhanden. DieDominikaner, denen Euler, S. 5, die Urheberschaft zuschreibt, sind wohlkaum die Erfinder, aber haben zuerst die Geschichte schriftlich fixiertund durch Aufnahme in ihre Kompendien ihr ein so lange unbestrittenesAnsehen verschafft. Anlafs zu ihrer Entstehung war das Be-streben, das Ead im Mainzer Wappen zu deuten, cf. Guerrier S. 13—18,Euler S. 4 -10. Man war durch den Beginn der öffentlichen Verehrungwieder auf Willigis aufmerksam geworden und brachte nun in willkür-licher Assoziation mit ihm, als dem gröfsten Erzbischof der Vergangenheit,auch die Aufnahme des Eades ins Mainzer Wappen in Verbindung. DieNachricht, dafs er im Gegensatz zu den vornehmen Klerikern, die in derRegel den Erzstuhl inne hatten, niederer Herkunft gewesen sei, wies derPhantasie den Weg. So entstanden auf Grund derselben historischenund psychologischen Basis die Sageu vom Fuhrmanns- und Wagner-gewerbc seines Vaters. Über die Herkunft des Rades im Mainzer Wappencf. Guerrier S. 13—18. Will. R. S. XL. Was Liebrecht, Göttinger ge-lehrte Anzeigen 1870 S. 114 ff., darüber bemerkt, erscheint mir gänzlichverfehlt.

1 Euler S. 10. Willigis gehörte allerdings zur Bruderschaft derKanoniker von Hildesheim, cf. das necrologium Hildesheimense S. S. VII,847, aber war niemals selbst Kanoniker zu Hildesheim. Das ergiebt sichaus V.Bern, cap. 43, S. IV, 773, 1, archiepiscopus in nostro monasteriofraternitate honorifice acquisita summam dilectionem et loco etfratribus providit. D. i. Nach der Beilegung des Streites um Ganders-heim wurde Willigis ehrenhalber in die Bruderschaft aufgenommen, wiespäter Unwan von Bremen, der ursprünglich, cf. Adam, Gesta episcop.Hamaburg. eccl. S. VII, 303, Priester in Paderborn war, und Hanno vonKöln, der früher, cf. Lambert zu 1056 S. V, 157, 25, die Goslarer Propsteibekleidet hatte. Also aus jener Notiz des Nekrologs und aus V. Bern.folgt gerade das Gegenteil von dem, was noch Euler a. a. O. angiebt:dafs Willigis niemals als Domherr in Hildesheim gewirkt hat.

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