Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

151

mit gefüllten Weinflaschen und Trinkgläsern, aus denen sie be-vorzugten Bekannten zu trinken geben. Die Mädchen schliefzensich dem Zuge an; denndie drei ersten" Tänze sind zumeistlange vorher schon an einen Verehrer vergeben. Darnach folgtfreie Wahl und bunter Wechsel der Tänzer und Tänzerinnen.Die ganze Kerwe halten nur Brautleute miteinander, d. h diesetanzen selten mit anderen.

Nach dem Mittagskaffee gehen auch die älteren Leute,Männer und Frauen und der Besuch zur Wirtschaft,wo unserHerrgott seinen Arm herausstreckt", d. h. wo der Kerwestraufzaus dem Fenster ragt. Die Alten, besonders ältere Frauen,schauen zu, tranzen auch noch manchmal mit. Aeltere Männerlassen sich in den Tanzpausen bisweilen auchein Leibstückelaufspielen" oder gar eine Extratour, einen Dreher oder Ländler,einen Schottischen oder Polka,wie der Grofzvater die Grofz-mutter nahm", etc. Solcher alten Tänze gibt es viele.

In den Pausen gehen die meisten Tänzer in die Trinkstubenund helfen dort singen, erzählen und trinken. Sie nehmen auchdie Mädchen dahin mit. Doch bleiben auch viele von diesen,die noch ledig und los sind, bei ihren Freundinnen und Mütternim Tanzsaale zurück. Auch diese singen in den Pausen undtanzen fast jede Tour, bis morgens der Tag graut.

Aehnlich geht es am Kirchweihmontag zu. Erst am Diens-tag-Abend wird die Kerwe wieder begraben. Der Kerwestraufzwird herabgeholt. Dann wirdder Kehraus" getanzt, ein rasen-der Galopp. Die Musik wird von den Burschen darnach mithalbleeren Flaschen, abgenagten Knochen und zerbrochenenTöpfen zum Dorfe hinaus begleitet. Dort wird neben der Strafzeein Loch gegraben und die gute Kerwe samt Knochen und Töp-fen unter katzenjämmerlichen Trauerklagen hinein begraben.Am Abend ist Geldbeutelwäsche und, wenn alles gut ging, einGratisessen mit Wein beim Tanzwirt. Acht Tage später, an derKirchweih-Oktav, ist in manchen Orten nochmals am Sonntageine Nachkirchweih mit Musik und Tanz.

Der Kirchweihtag wird auch jetzt noch zumeist vom Kirchen-patron des Ortes festgelegt, doch ist das Kirchweihfest in ver-hältnismäfzig vielen pfälzischen Dörfern auch auf denAllge-meinen Kirchweihtag", d. h an den Schlufz des Kirchenjahresverschoben. DieseMartinikirchweihen" sind dann zugleichauch das volkstümlicheErntedankfes t", das im buntge-schmückten Kirchweihstraufz und in dem reichlichen Festmahle

illlJilillllIHhllli'lilfrH Mn"»

-'-''< .' r-'.