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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
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Der Weihnachtsfestkreis.

Unser Kirchenjahr, mit dem das Volkstum unseres Dorfesund der weiteren Heimat ringsum aufs innigste ver-bunden ist und war, beginnt, wie überall im heiligen römischenReiche deutscher Nation seit dem 9. Jahrhundert, mit demersten Sonntage im Advent, also rund vier Wochenvor Weihnachten.

Wie das neue Jahr gedeihen wird, arm oder fruchtbar, dassollten uns dieJerichorosen" voraussagen. Es warenkleine Zweige eines Obstbaumes, die wir am St. Barbaratage,den 4. Dezember, in einem halbgefüllten Wasserglase auf dasFensterbrett im Wohnzimmer stellten, damit sie an Weihnach-ten blühten. Die Kraft und Fülle ihrer Knospen und Blütenweissagten uns ein gutes, fruchtbares Jahr, ihre Magerkeit undwässerige Farbe ein armes, unfruchtbares, zumal wenn auchder 100 jährige Kalender undder neue Kalenner" damit über-einstimmten.

Die rechte Stimmung und Bufzgesinnung zum Jahres-anfänge, wie die Kirche sie anempfahl und immer wieder ver-langt, brachte und bringt im Dorfe jedesmal das furchtbareEvangelium vom Weltende und vom Weltuntergange, das jähr-lich zweimal, am Jahresschlufz und am Jahresanfang verlesenwird, am letzen Sonntage nach Pfingsten aus Matthäus 24,15-35und am ersten Adventssonntage nach dem Evangelisten Lukas21, 2533:Die Sonne wird verfinstert werden, der Mond wirdnicht mehr scheinen und die Sterne werden vom Himmel fallen;alle Kräfte des Himmels werden erschüttert werden und dieMenschen werden verschmachten vor Furcht und vor Erwartungder Dinge, die kommen sollen auf Erden" etc.

Darnach verstanden wir alle vollkommen, warum der Prie-ster im Advent mit violetten Mefzgewändern, also in der Bufz-farbe, zum Altare geht, warum da das Alleluja ausfällt und dasfeierliche Ite missa est ersetzt wird durch Benedicamus Domino!Der Advent ist eben eine Bufzzeit. Er ist eine heilige und ge-schlossene Zeit der inneren Vorbereitung, in der kein Jubelund keine lauten Feste, auch keine Hochzeiten stattfindendürfen.