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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Unser Westrich ist immer schön und bewunderungs-würdig mit seinen Bergen und Tälern, Wäldern und Burgen,aber nie schöner als im sonnigen Sommer, zur Zeit derWürzweihe, und im milden Frühjahre, wenn in der Kirche diePalmen geweiht werden, wenn die Obstbäume, die Kirschen unddie Schlehdorne blühen und bald darnach die Büsche und dielangen, roten Streifen der wilden Heckenrosen, wenn Wald undFlur neu erwachen mit ihrem frischen, verschiedenfarbigenGrün, mit ihrem sülzen, kräftigen Heimatdufte und mit frohen,vielstimmigen Vogelliedern.

Es ist darum natürlich und unserem Volke nicht zuverargen, wenn es sich diese herrliche Natur einst von tausendgöttlichen Wesen belebt gedacht hat, und wenn es heute nochmit einem Teile seines alten Volkstumes an diesem Volksglaubenund am alten Sonnenjahre festhält, so treu und fest wie an seinemalten Kirchenjahre und an seinem alten christlichen Glaubenan den lieben Herrgott, der die Menschen und die Fluren segnet,und ohne dessen Willen kein Haar von unserem Haupte fällt.

Zu den frohesten Kirchenfesten und Volksfesten desganzen Jahres gehört in unseren Dörfern auch das Fest derK i r c h w e i h, die volkstümlicheKerwe". Sie dauert überalldrei Tage und bringt allerlei Fröhlichkeit, Musik, Gesang undTanz und dazu reichliche Mahlzeiten:Heut' ist Kerwe, morgenist Kerwe, bis zum Dienstag obend", und wer an Kerwe nichtszu essen hat, ist das ganze Jahrein armer Deiwel". Darum istvor jeder Kirchweih ein grofzes Putzen und Waschen undScheuern, ein regsames Rüsten und Kochen und Backen, eineinnige Freude und Feststimmung bei jung und alt.

Die K i r c h w e i h war ursprünglich ein rein kirchlichesFest, ein Hauptfest des Kirchenjahres und des Kirchenkalenders.Es war der Tag der Kirchenweihe oder der Namenstag desKirchenpatrones und daher auch des Schutzpatrones der Ge-meinde. Der Kirchenpatronlegt sie" noch heute, d. h er be-stimmt den Sonntag der Kirchweihe.

An das Kirchenfest schlofz sich schon frühe eine weltlicheM e s s e", die Kirmes, mit allerlei Kaufmanns-Waren undBuden. So ist es bis heute geblieben. Das Kirchweihfestbringt auch heute noch Mefzbuden und Kirchweihgäste undeinen Zusammenlauf von nah und fern. Es bringt auch Ge-legenheit Gastfreundschaft zu üben und früherempfangeneFreundschaft" zu vergelten. Darum die Einladungen und Vor-

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