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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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abergläubische Volksmedizin, die oft mit Hilfe des Teufels undanderer gottloser Mittel die Hilfesuchenden betrügen will.

Die Hauptträger dieses Aberglaubens sind bei unsdie Häre",d. h. die Heiden oder Zigeuner, die alten Schäfer und dieHexenmeister. Aber das Ansehen dieser schlauen und viel-erfahrenen Naturmenschen ist auch bei unserem Volke schonfast erloschen. Wir brauchen sie nicht nocheinmal zu ver-nichten. Wie wir aussterbenden Tieren und Pflanzen, selbstden aussterbenden Sumpfpflanzen heute den Heimatschutz ge-währen, so verdienen auch diese absterbenden Reste alten hei-mischen Aberglaubens und ihre Träger unsere Beachtung undunsere Teilnahme, wenigstens solange, bis die Volkskunde auchdieses alte Erbe und ihr abergläubisches Wissen restlos ver-zeichnet und gebucht hat.

Wenn am Schlufz des Kirchenjahres, nach demAllerheiligen- und Allerseelentage, sich noch warme, sonnigeTage einstellen, so heifzt man sie denA lteweibersom-m e r". Diese schönen Tage kommen aber auch allen anderenzugute, insbesondere dem Landmann, für die Neubestellung derAecker mit Wintersaat, für Einholung der Rüben und derenBettung in trockenen Mieten. Dann werden auch Wirsing, Salatund Winterkohl im Garten eng zusammen eingeschlagen undmit Stroh bedeckt, Kraut und Rüben auf dem Hobel geschnittenund mit Salz in Ständern eingemacht, das letzte Obst, Kasta-nien, Hagebutten und Waldlaub heimgeholt und alles vor-bereitet für den Winter.

W eibersommer" heifzen bei uns auchdie fliegen-den Sommerladen", lange, weifze Spinnenwebe, von denen manim Dorfe sagt, dafz weise Zauberfrauen oder auch die Mutter-gottes selbst im Himmel droben sie gesponnen habe; denn:Im Himmel steht ein Stühlchen. Da sitzt die Muttergottesdrauf. Sie hat ein Büchlein in der Hand Und bet't fürsganze Vaterland". So singen die Kinder und denken sich dabeian Marias Seite das Gebetbuch und das Spinnrad wie bei ihremGrofzmütterlein daheim am warmen Ofen.

Die fliegenden Sommerfäden verkünden den nahenden Win-ter, das Absterben der blühenden Natur, die sich bei uns imSpätsommer noch einmal auf allen Brachen, Wegen und Rainenmit dem reichsten Blumenschmuck und mit den buntesten Far-ben zu schmücken pflegt, mit dem Gürtel der Göttin Freija,sagten die Alten.

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