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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Im deutschen Volkstume spielt der Teufel keine grofze Rolle.Wir hören da von ihm nur in Gebeten, in Flüchen und Sagen.Seine Gestalt ist dabei aber zumeist ganz unbiblisch. Er trittbei uns in Bildern und Sagen gewöhnlich auf wie ein germani-scherWaldteufel", als ein langbeiniger Jäger mit rotem Haarund Spitzbart und mit hoher Spielhahnfeder. Er kann den Hahnnicht krähen, die Glocken nicht läuten hören, Weihwasser undWeihrauch nicht ertragen. Er hat ein neidisches Schmalgesichtmit roten, lauernden Augen und mit langer Stülpnase. Er istoft auch entstellt durch einen Pferdefufz oder durch Bocksfüfzeund Bockshörner. Noch öfter erscheint er als groizer, schwarzerJagdhund mit glühenden Augen und mit flammendem Atem

Auch sein Name Teufel, t i u v e 1, ist nicht biblisch. Er kommtnicht vom griechischen diabolos, der Verleumder, wie mancheglauben, sondern er ist deutsch. Er enstand durch Zusammen-ziehung der zwei deutschen Götternamen Tiu und Phol.Der deutsche Schwertgott Tiu und der Sonnengott Phol undalle anderen altgermanischen Götter, die Äsen und die Wanen,wurden seit Einführung des Christentumes und des lichtenChristengottes plötzlich zu häfzlichen Götzen und zu schlimmenWaldteufeln gemacht. Sie mutzten dem Teufel ihre absichtlichverzerrte Mifzgestalt und auch ihre Namen leihen. Der Teufelhat im Volksglauben auch die Macht der alten Götter behalten.Wer sich ihm verschreibt wie Dr. Faust, die Freimaurer und dieFreischützen, dem kann und mufz er eine Zeitlang helfen zurErfüllung aller ausgelassenen Wünsche und Begierden. Ist aberder mit Blut unterschriebene Vertrag zu Ende, dann bricht derTeufel hohnlachend dem Sünder den Hals; er zerreilzt ihn in derLuft und führt seine Seele zur ewigen Verdammnis in die Hölleunter viel Schwefel- und Bocksgestank.

Schon der Name des Teufels und seine volkstümlichen vonder Bibel abweichenden Gestalten und Tätigkeiten bezeugenalso, dafz in ihm auch noch Reste eines anderen Glaubens,nämlich der vorchristlichen, altgermanischen Naturreligion er-halten geblieben sind. Von diesem alten Volksglauben be-sitzen wir in unserem Volkstume auch noch andere bedeutsameUeberbleibsel der alten, deutschen Götterwelt. Man denkez. B. an unsere Sagen von den Riesen und den Zwergen, die inWäldern wohnen, an die Nixen und Nöcke, die sich im Wassertummeln. Man denke an die Elfen, die auf blumigen Wiesen imMondschein tanzen; an die zarten, duftigen Wesen, die in

Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 10

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