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möge, bis ihre irdische Schuld aufgewogen und der göttlichenGerechtigkeit Genugtuung geleistet ist durch seine eigene er-barmende Liebe. Darum flehen die Beter auch in den Toten-messen und in den Armenseelenandachten. Sie beten im Ver-trauen auf Gottes Barmherzigkeit und auf die Gemein-schaft derHeiligen.
Unser Volk betet aber nicht nur für „die Armen Seelen",sondern auch z u den Armen Seelen als Freunden Gottes. Esbetet oft auch z u den toten Eltern und Verwandten, derenAndenken wie in einem frommen Ahnenkulte bei uns fortlebt,dafz sie durch ihre Fürbitte bei Gott uns beistehen in den be-sonderen Anliegen.
Unser Volk glaubt also an Geister, an das fortleben derSeelen nach dem Tode. Es glaubt auch an ein Reich derGeister, das über uns, bis hinauf in „den siebenten Himmel",mit verschiedenen Graden der Seligkeit und unter uns, bis hinabzur tiefsten Hölle, zur „Krottenhölle", mit verschiedenen Gradender Qual, ähnlich Dantes Höllentrichter, ganz wunderbar geord-net ist. —• In diesen beiden Reichen wohnen weit von einandergetrennt, je nach ihrem Verhältnis zu Gott, die guten und diebösen Geister, die auch mit uns in seelischer Verbindungstehen, uns täglich beeinflussen und uns ganz für sich gewinnenmöchten. — Sie alle können mit Zulassung Gottes jederzeitauch einen Leib annehmen und ungehindert durch Räume undStoffe uns persönlich erscheinen. Von solchen Geister-erscheinungen berichten uns viele Volkssagen.
Dieser volkstümliche Geisterglaube ist natürlich mitder christlichen Religion und mit den Berichten der hl. Schriftweithin aufs engste verbunden. Er könnte hier ebenso wiedie anderen Glaubenslehren, der Ritus und die Liturgie derKirchen als bekannt vorausgesetzt und übergangen werden,wenn nicht auch noch unchristliche, altgermanische Geister inunserem Volksglauben und Brauche fortleben würden. Dieseaber gehören jedenfalls in das Gebiet der Volkskunde.
Ganz christlich sind die guten Geister: Der drei-faltige Gott, nach den Grundartikeln des apostolischen Glau-bensbekenntnisses, und um ihn die neun Chöre der Engel unddie zahllosen Scharen der Heiligen und Seligen im Himmel.Von ihnen hat jeder aus uns mindestens einen Namens- undSchutzpatron und einen Schutzengel, die uns stets begleitenund behüten, wenn wir sie nicht durch Todsünden gewaltsam
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