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Die Seelenruhe der Toten verlangt eine ehrenvolleBestattung und darnach drei Seelenämter, an denen nach demHerkommen alle Bekannten und Verwandten im Dorfe teil-nehmen. Sie kommen dazu alle in schwarzen Trauerkleidern;die Frauen mit brennenden Wachsstöcken. Geweihte, bren-nende Kerzen, Weihwasser und ein Kruzifix stehen schon aufund um den aufgebahrten Sarg vor dem Sterbehause bei derBestattung. Sie stehen auch um die Tumba in der Kirche. --Bei den drei Seelenämtern gehen alle Teilnehmer derTrauer „ums Opfer" und legen dabei eine Gabe, ein Almosenfür die Kirche, auf der Epistelseite des Altares nieder. Nachjedem Trauergottesdienste besuchen die Verwandten auch noch-mals den frischen Grabhügel auf dem Kirchhofe und beten dortnochmals laut und gemeinsam je drei Vaterunser für die Seelen-ruhe des Toten.
Unschuldige Kinder, die vor Beendigung ihrer Schulzeitsterben, erhalten keine Totenämter in schwarzen, kirch-lichen Trauerfarben, sondern ein Engelamt in Weifz oderin den Tagesfarben. Ihr Sarg und Grabkreuz ist auch nichtschwarz angestrichen, sondern weifz. Anstatt der sonst üblichen,runden Trauerkränze erhalten sie von ihren Verwandten undMitschülerinnen je eine, gewöhnlich drei weifee Grab-kronen, die aus weifzem Papier über Holzgestellen kunstvollgefertigt sind. Dazu erhalten sie noch einen langen „Palmen-kranz" aus frischem Buchs, den die Schulmädchen und Schul-freundinnen beim Leichenzuge um den Sarg tragen und dannrings um den frischen Grabhügel legen. — Einen solchen Palmen-kranz erhalten alle unverheiratet gestorbenen Buben und Mäd-chen, auch wenn sie der Schule schon entwachsen waren unddaher wie Erwachsene in schwarzer Trauer beerdigt werden. —Kinder unter 6 Jahren werden nicht wie die andern, von vierNachbarn auf der Totenbahre, auch nicht wie die älteren Un-verheirateten von 6 Altersgenossen in einem Sarge mit Hand-haben zu Grabe getragen, sondern die Leichenfrau oder eineverwandte Frau trägt ihren kleinen, weifzen Sarg auf dem Kopfeinmitten des Leichenzuges zum Grabe.
Grabreden, grofzer Prunk und Aufwand für Grabkränze undGrabsteine sind im Dorfe selten. Jeder Tote erhält sein schlich-tes Grabkreuz mit kurzer Inschrift. Die Protestanten er-halten alle gleichmäfzig eine gleichhohe, graugestrichene, vier-eckige Grabtafel aus Holz, die oben gerundet, schwarz ge-
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