ml
138
hören, beten ihr drei Vaterunser nach mit dem Zusatz: „Herr, gibihr die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihr! Herr;'lassesie ruhen im Frieden! Amen." — Dann wird der Leichnam imBette aufs Schab, d. h. aufs Stroh gelegt; alle Federkissen undBettdecken werden entfernt. Der Tote erhält sein Totenhemdund sein Totenkleid. Er wird im Gesichte gewaschen und ge-kämmt. Augen und Mund werden ihm geschlossen, damit keineschlimme Wirkung und Vorbedeutung für andere von ihne^ausgehe, und damit er gleich einem Schlafenden daliege mitseinem Sterbekreuz und mit seinem Rosenkranz in den ge-falteten Händen. — Darnach wird ein Leilach, ein weifzes Lein-tuch, über ihn gelegt, das ihn ganz bedeckt, aber die Körper-formen erkennbar sein läfzt. ■— Das Totenlicht wird ange-zündet. Es ist ein Wachsstock oder eine Wachskerze, odergewöhnlich ein kleines, in einem Wasserglase schwimmendesOellicht, das dann drei Tage und drei Nächte bis zur Beerdigungam Totenbette brennt. — Daneben wird ein Weihwasserbeckenmit einem grünen Buchszweig gestellt und jeder Besucher, derkommt, betet stehend oder knieend drei Vaterunser für denToten und gibt ihm das Weihwasser. Ebenso der Totenbeschauerund der Schreiner, der das Sargmafz nimmt. — Nachts kommendie nächsten Verwandten und Nachbarn und halten bis zurBestattung abwechselnd die Totenwache. Sie erhaltendafür Brot und Branntwein.
Die Trauer und Totenklage der Hinterbliebenenund die Trostworte der Nachbarn richten sich nach der Lücke,die der Tote in seine Familie hineingerissen hat. Stirbt einKind aus einer armen, zahlreichen Familie, dann hört man oftden Trost: „Weinet nicht; es ist ja im Himmel gut aufgehoben.Wenn wir nur auch einmal so schuldlos sterben können!" —Sterben altersschwache und langkranke Leute, dann „ist einguter Tag geschehen" und ihr Tod „war eine Erlösung" oder„der Gang der Natur, den wir ja alle einmal gehen müssen". —Sterben aber starke, hoffnungsvolle Menschen in der Vollkraftihres Lebens, junge Väter und Mütter, die Stützen und Er-nährer ihrer Familien, dann sind Trauer und Jammer und Herze-leid oft erschütternd grofz. — Und doch gilt ungehaltene Trauerund zu heftiges Weinen als unchristlich und vermessen. „Sielassen auch den Toten nicht zur Ruhe kommen." Elterntränenbefeuchten das Totenhemd der Kinder noch im Grabe; sie fallenihnen auf die Brust und machen sie im Tode noch feucht, ruhe-los und traurig.
kl