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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Darum ist es Pflicht der Pietät, dafz auf Allerheiligen dieGräber aller, deren noch jemand gedenkt, wieder aufgefrischt,dafz die Bäume und Pflanzen, die Kreuze und Grabsteine daraufneu hergerichtet, dafz sie mit Blumen und Kränzen neu ge-schmückt werden. Das verlangt nicht nur das Volkstum derLebenden, sondern auch die Toten wünschen und fordernes, dafz man ihrer in Liebe gedenkt. Das Dichterwort:ObSie wohl kommen wird am Allerseelentag zu beten an meinemGrabe?" etc. enspricht unserem Volksglauben und ist aus demHerzen unseres Volkes heraus geschrieben. Denn ihm sindseine Verstorbenen nicht tot, sondern sie leben unsichtbarmit ihm und neben ihm fort. Sie schauen voll Liebe und Teil-nahme vom Himmel auf uns Lebende, auf unser Tun undLassen hernieder und beide Teile hoffen auf eine Wiederver-einigung im ewigen Lichte, wo es kein Leid und keine Trennungmehr gibt.

Der Glaube an die substanzielle Wesenheit Gottes nachder Lehre des Aristoteles und der katholischen Kirche ist inunserem Volkstume auch auf das Wesen der Menschenseelenübertragen. Man erzählt Beispiele und Erlebnisse, wie die Seelein Gestalt eines kleinen Menschen, eines hellen Scheines, einerweifzen Maus, einer Schlange etc. aus dem offenen Munde einesSchlafenden davon eilte und später wieder dahin zurückkehrte,und wie sie den inzwischen toten Körper neu belebte. Darumist es Sitte beim Tode eines Menschen, während er noch mitdem Tode ringt undreweit", während er imTodeshörchel"liegt, d. h. während sich in schwerem Röcheln seine Seele vomLeibe scheidet, ein Fenster zu öffnen, damit die scheidendeSeele freie Bahn habe. Und zu Füfzen des Sterbendensitzen, ihm allein sichtbar, sein Schutzengel undder böseFeind" um die Seele in Empfang zu nehmen und heimzugeleiten,je nachdem das persönliche Gericht ausfällt, das blitzschnell anjedem Sterbebette vom himmlischen Richter gesprochen wird. Darum ist es auch Sitte, den Sterbenden nicht durch lautesWeinen und Geschrei zu stören, sondern ihm die hl. Sterb-sakramente rechtzeitig geben zu lassen, ihm zu helfen durch ge-meinschaftliches Gebet, eine geweihte Sterbekerze vor ihm an-zuzünden, ihm das Sterbekreuz bisweilen an die Lippen zudrücken und ihn öfter mit Weihwasser zu besprengen, damit diebösen Geister keine Gewalt über ihn bekommen.

Ist die Seele geschieden, dann wird sie mit drei Zeichender Kirchenglocken ausgeläutet und alle, die das Ausläuten

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