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Kartoffeln reicht auch nur für einen kurzen Winter. Ueberdiessind Brennkontrolle und Maischraumsteuer im Westrich sodrückende Uebel geworden, dafz die meisten Kartoffelbren-nereien aufgegeben werden mufzten. Damit fiel auch ein grofzerTeil der Landwirtschaft, weil die Bergäcker wohl Kartoffeln undObst, aber keinen Weizen tragen. Damit fiel dann auch diegröfzere Hälfte der Viehzucht und damit lohnende Winterarbeitund der Volkswohlstand.
Der Satz des Römers Tacitus vom Jahre 98 in seiner Ger-mania Kap. 5: „Armerttis gaudent eaeque solae et gratissimaeopes sunt", d. h. „sie sind stolz auf ihre Viehherden unddiese sind auch ihr einziger und ihr liebster Reichtum", hattein meiner Jugendzeit auch in meiner Heimat und im ganzen„Viehstrich des Westrichs" noch volle Geltung. Jetzt ist dieserReichtum dahin und der Rat des habgierigen Bauern an seinenheiratslustigen Sohn: „Do ist ein grofzer Misthaufen, Hanjokeb,do heirat hinein", ist jetzt ein veraltetes, derbes und kaum halb-verstandenes Witzwort geworden. Ebenso die Rede von dem„echten, dreckigen, speckigen Kuhmist", wie dieser Bauer undsein Sohn ihn erzeugten, und wie die Bergäcker ihn einstbrauchten. — Jetzt stehen diese Aecker teilweise leer. Es istwieder Wald darüber angeflogen, oder man hat Weinreben hin-eingepflanzt, die oft erfrieren und oft auch unreif abgeherbstetwerden müssen um „auf warmem Wege" den Kunstwein ver-mehren zu helfen. Ihre Trauben sind nur in den günstigstenJahren ein süfzer Genufz.
Zur Betrachtung unseres heimatlichen Volkstumes gehörtauch ein Blick auf den Lebenserwerb, auf den Wohlstandund die Lebensführung unseres Volkes. Dieser Rückblick istfür uns im allgemeinen nicht erfreulich, für unsere ehedemglücklichen und wohlhabenden Westlicher sogar sehr betrüb-lich. Die Nachkommen der einst stolzen und wohlhabendenWaldbauern sind jetzt vielfach Taglöhner und arme Wald-arbeiter, Fabrikarbeiter, Händler und Arbeitslose geworden.Ohne starke, einträgliche Viehzucht ist eben die Landwirtschaftin unserem Waldgebirge nicht rentabel. Darum schufen unsereBauern sich früher stets mehrere Einnahmequellen. Nebenihrem Ackerbau mit Branntweinbrennerei zur kostenlosenGewinnung der Kartoffelschlempe für eine ausgiebige Vieh-zucht trieben sie schon frühe auch ausgedehnten Obstbau.Sie pflanzten Kastanien und Nüsse, Kirschen und Kernobst,kelterten vorzüglichen Obstwein und brannten weitverbreitetes
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