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Kirschwasser. Bis 1820 genossen sie überdies den Ertragihrer Haingereidewälder an Laub und Gras, an Waldbeeren,Eicheln und Buchein, an Bauholz, Brennholz und Streuwerk.Im Winter waren zahlreiche Männer auch Holzhauer und Kultur-arbeiter, Kohlenbrenner und Harzsieder, Holzwarenfabrikantenund Pottaschsieder. Die Frauen pflanzten Hanf und Flachs, densie im Winter spannen und zu Leinwand verweben liefzen, ausder - sie dann ihr Weifzzeug und die meisten Kleider für dieIhrigen eigenhändig herstellten. Dazu kam seit den deutschenBefreiungskämpfen noch die Bürstenbinderei als Haus-industrie und der weit ausgedehnte Bürstenhandel. — Durch alldas kam viel, wenn oft auch sauer verdientes Geld unter unsereWaldleute um Steuern und Umlagen zu zahlen, den nötigenLebensunterhalt zu bestreiten und einen gewissen Wohlstandzu begründen, verbunden mit einem kräftigen, gesunden undbodenständigen Volkstume. — Die fortschreitende Kultur unddie staatliche Gesetzgebung aber haben den Gebirgsdörferneine Erwerbsquelle nach der anderen abgeschnitten zugunstendes Grofzbetriebes, der städtischen Maschinenarbeit und derFabriken und zur Hebung des ausländischen Imports. Darumherrscht in dem bescheidenen und soliden Haushalte der pfäl-zischen Walddörfer, bei den einst wohlhabenden, braven undfleifzigen Kleinbauern heute oft grofzer Mangel am Nötigsten.Wo aber „Schmalhans allzulange Küchenmeister ist", da er-lahmt allmählich auch die geistige Schwungkraft und das starke,alte Volkstum; denn „wo du nicht bist, — Herr Jesu Christ, —Ist lauter Lumperei", sagt ein frommes und doch bitteres, aufden Gelderwerb hinzielendes Sprichwort unseres Volkes.
Auf Martini, am 11. November, wurden einst die fettenMartinsgänse verkauft oder geschlachtet und gebraten. Jetzt istdie Gänsezucht und die Gänseliesel, die Scharen schnatterndenFederviehes zur Weide trieb, in der Pfalz selten geworden. DasSprichwort: „Wer arm werden will, und weifz nicht wie, — Derhalte sich nur viel Federvieh", deutet der Bauer besonders aufdie Enten- und Gänsezucht. Die Gänse sind Futterverderber.Sie beschmutzen Hof und Hauswiesen und sind immer dort, wosie nicht sein sollten. Im engen Gänsestalle aber gedeihen sienicht; sie müssen ihren Lauf haben zur „Wäd", d. h. zur „Wunneund Waide". So sind „Michaeli und Martini" jetzt nur noch Ter-mine für die Geifzenzucht, für den Herbstanfang und für dasZinsjahr, das mit seinen Kauf- und Steuertefminen oft wenigangenehm endet.
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