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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Sie zupfen deren Blütenblätter ab und fragen bei jedem Blätt-chen:Er Hebt mich? Von Herzen? Mit Schmerzen? lieberalle Mafzen? Ein wenig? Oder gar nicht?" Diese Fragen kannman auch an mehrere Blumen so oft stellen, bis sie einmal odermehrmals nacheinander die gleiche, gewünschte Antwort geben. Man kann diese Blumen auch nach dem Stande des künftigenGeliebten fragen, ob er ein:Edelmann? Bettelmann? Bauer?oder ein Soldat" sein wird? und nach dem Enderfolge desirdischen Lebens. Was man darnach erreichen wird:Himmel?Höll? oder Fegfeuer?"

Maria Magdalena, am 22. Juli,salzt die Aepfel";St. Jakob, am 25. Juli, reift sie. Magdalenebirnen und Jakobs-äpfel sind besonders kostbar; sie sind die ersten im Jahre.Der Jakobstag bringt auch die Heidelbeeren im Walde zurHöchstreife. DasHällbeerebreche" beschäftigt in jedem Jahreimmer wieder viele Kinder und Frauen wochenlang. Ihr Lied:Hämmezu, die Zeit esch do! Der Hällbeerewald esch grünund bloo. Grün voll Lab, Weifz voll Stab, Bloo, bloovoll Hällbeere!" ist bei uns im Absterben. Die Jugend hat esschon fast vergessen.

Sankt Barthelmä, am 24. August, bringt den Herbst-anfang. Erstreckt seinen Hinteren" über die letzten Beeren,besonders über die Brombeeren. Von da an sind sie angeblichüberreif, kraftlos und ungeniefzbar. In guten Jahrgängen aberist dem nicht so. Auf Barthelmä ist auch der Most im Fassezu Ende, oder er ist zu Wein gereift. Darauf deutet dasSprichwort:Warf, ich will dir weisen, wo Barthel den Mostholt", d. h.ich will dich gescheit machen, dir Mores lehren'".Das ist jetzt zumeist eine Drohung mit tätlicher Gewalt undUeberlegenheit. Fragt man dagegen:Wo holt denn Barthelden Most?" so lautet die Antwort:Beim Michel"; denn derMichaelstag, am 29. September, bringt den Weinherbst mitneuem Most von Trauben und Kernobst.

Der A n n a t a g, am 26. Juli, war in Kurpfalz bis 1794ein Feiertag; denn die hl. Anna war die Schutzpatronin desOberamtes Neustadt. Ihr Name, ihre Verehrung und ihre Bildersind darum bis heute bei uns weithin verbreitet. Seltener sinddie S e 1 b d r i 11 b i 1 d e r, auf denen sie neben ihrer TochterMaria sitzt und ihren Enkel, den Jesusknaben, auf ihren Armenhält. Auch unter den Wallfahrtskirchen der Pfalz, von denen13 der hl. Maria und 5 den Vierzehn Nothelfern geweiht sind,befinden sich 2 Annakapellen: Eine bei Niederschlettenbach,

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