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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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lette und heilige Kräuter. Diese müssen aber in vorgeschrie-bener Stunde und in rechter Weise frisch gebrochen oder ausdem Würzwisch genommen sein. Oft genügt es schon, wennman energisch die Augen auf macht, kräftig ausspeit, oder dieKleider, Schuhe und Strümpfe verkehrt anzieht.

Man kanndie Hexen stellen", wenn man kreuzweise inihre Fufzstapfen tritt. Man kann sie plagen und verschlagenmit einem festen Hexenbesen aus Birkenzweigen und mit Zau-berstecken aus Haselstämmchen. Unser Hexenmeister hattenoch stärkere Mittel: Drei Nadeln in Kornkleie, umrahmt vonKäselkraut oder Johanneskraut etc., die mit Zaubersprüchen denHexen in den Leib getrieben wurden. Ich habe solche Zaubergegen Hexen und Diebe wiederholt schon als Kind gesehenund später auch die Zauberbücher unseres Hexenmeisters er-worben. Der Mann war ein von seiner Kirche exkommunizierter,armer Trinker, der überall leicht Gespenster sah, und der zu-letzt allein im Dorfe noch an seine Kunst glaubte. Ich habeauch zwei alte Frauen gekannt und öfter gesprochen, die vonihm als Hexen bezeichnet wurden, weil sie sich mit Wiesentauwuschen, öfter frühmorgens bleich und übernächtig, mit auf-gelösten Haaren vom Felde heimkehrten, einem nicht geradein die Augen schauen konnten, die angeblich während ihrerAbwesenheit auf Hexenfahrten nachts ihrem Manne an ihrerstatteinen Besen ins Bett legten" etc. Die Verleumdeten warenzwei arme, brave Frauen, die zwar an Hexen glaubten, aberkeinen rechten Zauberspruch kannten. Die eine war eine Kräu-tersammlerin, die andere eine Nachtwandlerin.

Da(z der Pfarrer solche Hexen an hohen Feiertagen durchdie Monstranz in der Kirche erkennt, da sie Gott die Ehregeben müssen, aber mit dem Rücken gegen den Altar stehen,nackt, mit einem Melkkübel über dem Kopfe anstatt der Haube,ist ein alter, derber Witz, der den alten deutschen Hexenglaubenheute noch mit dem christlichen Kirchenjahre in Verbindungzu bringen sucht.

Der Name Hexe, den viele von Hekate abzuleitensuchen, der griechischen Göttin der Unterwelt und der Drei-wege, ist gewifz nicht griechisch; denn davon weifz unser Volknichts. Er kommt von H a g - 1 d i s e, d. h. die weise Waldfrau,die Idise, die im Hage wohnt. Solche Idise, weise Zauberfrauen,begegnen uns schon im ersten Merseburger Zauberspruche:Eiris sazun idisi." Auch die weise Veleda bei Tacitus im erstenJahrhundert und Swanahild, die weise Trude, in Webers Drei-