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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Die österliche Zeit, in der jeder katholische Christnach den Kirchengeboten jährlich einmal mindestens die hl.Sakramente der Bufze und des Altares in seiner Pfarrkircheempfangen mufz, wenn er nicht von der Kirche ausgeschlossensein will, schlofz einst mit dem Sonntage nach Weifzensonntag.Sie ist jetzt verlängert und dauert vom ersten Fastensonntagebis zum Dreifaltigkeitssonntage.

Wer nicht Ostern hielt, oder aus schweren Gründen sienicht halten durfte, weil er im Beichtstuhle nicht absolviertwerden konnte, der galt als tief gesunken oder als tief unglück-lich.Wer erst am letzten Sonntage der österlichen Zeit seineOstern hielt und seine innere Erneuerung hinausschob, vondem sagte man:Er geht mit den Gaulsdieben", d. h. mit denschwersten Sündern zur Osterbeichte.Osterlämmcher"hielzen Leute, die nur einmal im Jahre zu den Sakramentengingen und zwar am Gründonnerstag oder auch an Osternselbst,alle heilige Zeiten einmal".

Während der österlichen Zeit erhält jeder, der zur Kom-munion geht, an der Kommunionbank auch einenBeicht-z e 11 e 1", eigentlich einen Kommunionzettel, um die Zahl derOsterkommunionen festzustellen. Es war einst ein schmalerPapierstreifen; jetzt ist es gewöhnlich ein religiöses Bildchenmit Nummer und Jahreszahl und mit der Beischrift: CommunioPaschalis. Diese Beichtzettel wurden am Schlusse der Oster-zeit vom Pfarrer wieder eingesammelt. Er liefz am festgesetztenSonntagnachmittage ein Glockenzeichen geben und aus jedemHause trug dann jemand sämtliche Beichtzettel der Familie mitmindestens ebensovielen frischen Eiern, den Ostereiern für denHerrn Pfarrer, ins Schulhaus. Wer keine Eier hatte, gab 10Pfennig zu jedem Beichtzettel oder mehr. Es war Ehrensache,dafz dabei niemand ohne Gabe zurückblieb. Der Pfarrer notiertedie Abliefernden, doch ihre Gaben waren freiwillig. Sie warenaber herkömmlich und volkstümlich.

Vierzig Tage nach Ostern ist Christi Himmelfahrt.Es ist eines der höchsten und freudigsten Feste, ein Festumduplex erster Klasse mit Oktav in weifz. Christi Himmelfahrtfällt immer auf den Donnerstag in der Bittwoche. Nach dem Evan-gelium des feierlichen Hochamtes wird die Osterkerze ausge-löscht und weggetragen.

Die drei Werktage vor dem Himmelfahrtstage sind seit dem8. Jahrhundert die Bittage. An ihnen findet jeden Morgeneine Bittprozession statt, bei der die Allerheiligenlitanei

Dr. Griineiwald, Volkstum und Kirchenjahr. 7

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