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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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nicht schädlich wurden, dafür sorgte die Sonntagsschule unddie Christenlehre bis zum 16. Lebensjahre.

Die Sonntagsschule hält auch heute noch derLehrer nach jedem Sonntagsgottesdienste, gewöhnlich von 10bis 12 Uhr. Sie war einst hauptsächlich eine Repetition des früherGelernten und seine Anwendung auf das praktische Leben.Heute hat sie noch viel höhere Aufgaben.

Die Christenlehre hielt der Pfarrer an jedem Sonn-tage von 2 Uhr an, verbunden mit der Vesper. Dabei durfteniemand fehlen. Niemand durfte dabei unartig und träge sein;denn die Eltern der Schüler waren auch dabei zugegen unddie ganze Gemeinde, besonders die Mütter, die gespannt aufalle Fragen und Antworten lauschten und nötigenfalls zuhausenachhalfen. Der Pfarrer stand dabei mit Chorhemd und Stolaals Lehrer und Erzieher vor seiner Pfarrgemeinde. Er gabjedesmal einen kleinen Abschnitt des Katechismus zu wieder-holen auf und fragte das Pensum auch wirklich ab. Daranknüpfte er eine praktische Katechese für jung und alt, die sichzugleich nach den Bedürfnissen, Erfahrungen und Erlebnissenseiner Zuhörer richtete. Das waren die besten V o 1 k s b i 1 -dungskurse, die ich je gesehen habe; denn ich mutzte sieauch als Gymnasiast noch mitmachen. Das waren die echtenVolkshochschulen, die uns auch heute wieder in allenStädten und Dörfern zum Aufbaue nötig wären. Dort haben dieSchulentlassenen und ihre Eltern, dort haben insbesondere dieMädchen und ihre Mütter das nötige Wissen und die moralischeKraft geholt sich und ihr Haus sittlich rein und fromm, sichund ihre Familien äufzerlich und innerlich musterhaft zu er-halten. Dabei kam natürlich sehr viel auch auf das pädago-gische Geschick und auf die praktische Einstellung des jewei-ligen Pfarrers an. Alle Pfarrer aber wirkten dort für ein ge-sundes Volkstum und Familienleben viel tiefer und nachhaltiger,auch viel umfassender und leichter als es ihnen jetzt in den auf-reibenden und kräftezersplitternden Vereinen möglich ist.

Am Montag nach ihrem Weifzensonntagegehen die Nachtmahlkinder regelmäfzig nochmals zur Kommu-nion. Dabei halten sie während der Opferung der hl. Messeeinen Opfergang um den Altar und legen dabei ihre Nachtmahl-kerzen als Opfer auf der Epistelseite des Altares nieder. Werseine Kerze zum Andenken, zum Hausgebrauch, oder als Sterbe-kerze behalten will, kauft und opfert eine andere neue Kerze.

MH