Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

93

die Kerzenträgerinnen mitbringen, d. h. jüngere Buben undMädchen, die am Weifzensonntage den Nachtmahlkindern ihreKommunionkerze vorantragen durften. Diese mufzten mitKerzenstecken", d. h. mit kerzengeraden, weifzgeschältenHaselstäben, die sie wie Kerzen in der Hand trugen, ihre Auf-gaben ebenfalls zuvor einüben.

Die Kommunionkinder haben ihre religiösen undihre volkstümlichen Vorbereitungen zu ihremWeifzensonntage, zudiesemschönsten Tag ihres Lebens", wie Kaiser Napoleon I.ihn nannte, stets äufzerst gewissenhaft gemacht. Das schwersteStück dieser Vorbereitung war aber jedesmal ihre General-beichte und vor dieser Beichte die Gewissenserforschung unddie herkömmliche Pflicht ihren Eltern und Lehrern zu dankenfür ihre bisherige Pflege und Erziehung und sie um Verzeihungzu bitten für alle Fehler und Kränkungen Dabei gab es jedes-mal heifze Tränen und herzbrechende Szenen der Rührung undübermächtiger Gefühlserschütterung auf beiden Seiten. Dieerste hl. Kommunion war eben einst der Abschlufz der Kinder-jahre, einer grofzen, wichtigen Lebensperiode. Infolge derfrühen, jetzt unfeierlichen Kinderkommunionen vom 7. Lebens-jahre an ist die Wichtigkeit und Feierlichkeit des Weifzensonn-tags seit 1903 im Dorfe leider gemindert.

Zu ihrer ersten, feierlichenKommunion kamenund kommen auch jetzt noch die zwölfjährigen Mädchen wiekleine, unschuldige Gottesbräute in weifzen Kleidern in dieKirche, mit einem weifzen Schleier und Blumenkränzchen umden Kopf, mit einer grofzen, weifzumkränzten, brennenden Kerzeauf silbernem Leuchter, mit einem weifzen, feinen Taschentucheund mit ihrem Rosenkranz in der rechten, mit dem Gebet-buche in der linken Hand. Auch die Buben werden zudiesem ihrem Ehrentage vom Fufze bis zum Kopfe neu bekleidetund gemannst. Sie erhalten da wie kleine Hochzeiter ihren erstendunklen Anzug und Hut, ihre Nachtmahlkleider, und ein neues, ge-mannstes Hemd, d.h. eines, dessen Brust und Kragen gestärkt undgebügelt ist. Dazu bekommen sie auch ein weifzes Taschentuch,einen weifzen Blumenstraufz vor die linke Brustseite und einenum ihre Nachtmahlkerze, auch einen Rosenkranz und ein Ge-sangbuch, wie die Mädchen.

Eine ähnliche Ausstattung erhalten die protestantischenKinder zu ihrer Vorstellung am Passionssonntag und zuihrem ersten Abendmahle am Palmsonntag, doch ist bei ihnenauch die Mädchenkleidung stets schwarz und einfarbig.

ü

98h

% B: - ..-r ;