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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
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der Lehrer. Er ist auch darum nach dem Pfarrer der erste undhöchstgeachtete Mann im Dorfe. Den gemeinsamen Rosen-kranz an Sonn- und Feiertagsabenden beten da zwei frischeBuben oder Mädchen vor. Das sind echte, kurze Volksandach-ten. Für das Glockengeläute dazu und für die Ruhe und Ord-nung dabei sorgt ebenfalls der Lehrer oder, wenn dieser fehlt, dieSchar der Männer und Frauen, die mitbeten und auch die be-liebten, alten Lieder anstimmen helfen, die ebenfalls ein StückVolkstum in Kirche und Haus geworden sind. Dabei werden diealten Gesangbuchslieder noch immer den neuen vorgezogen.

Am Ostermontag-Abend dürfen nach dem Her-kommen auch die Frauen wieder ihre Männer ins Wirtshausbegleiten, wenn sie wollen. Es wird dort in Gesellschaft ge-plaudert, gesungen und getrunken, bis es Feierabend läutet um11 Uhr. Erwachsene Burschen gehen am zweiten Feiertageauch schon mittags ins Bierhaus. Sie machen dort ein Karten-spiel oder Würfelspiel mit kleinen Einsätzen aber oft mit grofzenAufregungen, wenn sie verlieren. Manche nehmen auch ihreOstereier dahin mit und üben das Eierpicken, indem siezwei Eier mit den Spitzen aneinanderstoßen. Wessen Ei zuersteinbricht, der hat es verloren. Diese Eier werden dann zuWecken gegessen. Sind sie roh und ungefärbt, dann werden sieausgetrunken oder ins Bier geschlagen. SolchesE i e r b i e rgibt einem gesunden Manne Kraft und bewahrt ihn vor Leib-schäden". Wereine Bekanntschaft" odereine Minnsch",d. h. eine Geliebte hat, lädt auch diese und ihre Freundinnen,die er bei dem ortsüblichen, gemeinsamen Nachmittags-Spa-ziergange auf der Dorfstrafze leicht finden kann, auf eine Stundezum Ostertrunk ins Wirtshaus ein. Dabei sind auch gemeinsameGesänge und kleine gegenseitige Geschenke üblich. Am Abendaber bleiben brave Mädchen bei ihren Geschwistern zuhause.

Die Woche nach Ostern, die Weifzensonntags-woche, gehört nach altem Brauche ganz den Nachtmahl-kindern zur Vorbereitung. Alle, die bald 13 Jahre alt wur-den, durften da einst zur ersten hl. Kommunion gehen und danndie Schule verlassen. Darum gingen sie schon zwei Winterzuvor wöchentlich zweimalin die Pfarrstund", das war einAusläufer der alten Pfarrschule, um sich im religiösen Glaubenund Wissen recht vorbereiten zu lassen auf ihren grofzen Tag.In der Weifzensonntagswoche wurde diese Vorbereitung vol-lendet, das Wissen, die Andacht und die guten Vorsätze vertieftund befestigt. Zuletzt mufzten sie auch die Kerzenträger und