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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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bunten Blumen bestreut. Davon frifzt der Osterhas und ihreFarben geben dann auch den Ostereiern ihre bunten Farben.

Die Mutter schaut natürlich auch jeden Tag nach demOsterhas und erzählt ihren Kleinen viel Schönes von ihm. Siekocht dann abends heimlich die nötige Zahl frischer Hühnereierin grüner Halmfrucht und in rötlichen Zwiebelschalen, in Kaffee-satz und in Farbholz, oder sie hat gar fertige Farben gekauft,die sie behutsam aufstreicht, um den Osterhas am Ostermorgenin das Hasengärtel und in nahe Blumenbüsche heimlich auchgespreckelte", d. h. gesprenkelte, buntfarbige Ostereier legenzu lassen zur Freude für die Kinder.

Jedes brave Kind erhält gewöhnlich sechs Ostereier, damites satt wird und auch noch anderen davon geben kann. Diesesechs Eier fallen aber kaum zur Hälfte in das Hasengärtel. DerHas legt auch gerneneben das Nest" in die Blumenbüsche desGartens. Darum durchsuchen die Kleinen am Ostermorgen denganzen Garten, bis sieihr Gesatz" zusammengefunden haben.Dann tragen sie ihren Fund unter lautem Jubel ins Haus unddie Eltern freuen sich mit ihnen und durchleben wieder einStück Jugendglück in der Osterfreude ihrer Kinder.

Dafz der Osterhas auch Zuckereier legt und kleine Zucker-häs'chen und verschiedene Gebrauchsgegenstände, war früherbei uns im Dorfe unbekannt. Das istStadtmode", die auchden Osterhas verdirbt und ihn oft gar komisch abbildet und infarbigen Zucker giefzt.

Besonderen Wert und geheime Kraft haben im Volks-glauben auch alle Eier, die am Gründonnerstag und am Kar-freitag von den Hühnern im Hause gelegt werden. Sie bewahrenvor Netz-Brüchen und Leibschäden. Sie werden darum nichtgefärbt; denn sie gehören den Männern des Hauses und werdenam Ostermorgen mit gelb geröstetem Speck in der Pfanne ge-backen und zum Zehnuhrbrot gemeinsam gegessen. Damitvon diesen kostbaren Gründonnerstagseiern undKarfreitagseiern keines unbekannt bleibt, werden amMorgen des Gründonnerstages von den Buben alle Nesteier mitHolzkohle gezeichnet. Wird ein Karfreitagsei dennoch ausge-brütet, so bekommt das daraus entstehende Huhn jedes Jahrein anderes, buntfarbiges Gefieder. Auch die Karfreitagskälberwechseln nach dem Volksglauben alle Jahre ihre Haarfarbe.

Der Karfreitag ist in protestantischen Dörfern derhöchste Feiertag. Bei den Katholiken ist er ein Trauertag, keinDr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 6

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