79
Die Verwendung dieser hl. Oele in allen Gemeinden istseit vielen Jahrhunderten volkstümlich und mit volkstümlichenGebräuchen verbunden. Die inhaltreichen Gebete und Zeremo-nien und Exorzismen bei ihrer Weihe sind aber deswegen nichtso allgemein bekannt, wie sie es verdienen, weil diese Weihenur in den Bischofskirchen stattfindet. Allerdings weiht sie derBischof dort öffentlich, im Beisein des Volkes, das die Weiheder hl. Oele alljährlich aufmerksam und mit frommer Andachtbegleitet.
Wenn am Gründonnerstag nach dem Gloria plötzlich alleGlocken „fortgeflogen" und auch die Schellen unddie Orgel in der Kirche verstummt sind, müssen sie natürlichersetzt werden: Der Organist intoniert mit einer Stimmgabel;die Mefzdiener schellen mit „Kleppern", d. h. mit zwei ungleichtönenden Holzklappern. Die Glocken aber, die fortgeflogen sindnach Rom oder „nach Klingen" um ihre Ostereier zu holen,werden im Dorfe ersetzt durch die „Gärrbuben".
Diese Gärrbuben ziehen mit ihren laut tönendenGärren oder Krätschen, Ratschen und Raspeln, auch mit Klep-pern und Rappelkästen vor allem täglich dreimal durch das ganzeDorf um „den Engel des Herrn" zu verkünden. Sie beginnenbei der Kirche und nach je 100 Schritten ungefähr setzen alleBuben in geordneten Reihen ihre Instrumente in Bewegungund machen ca. 50 Schritte weit im Laufen einen lauten, weithintönenden Lärm. Die gröfzeren Buben, die in der ersten Reihegehen, bestimmen den Anfang und das Ende dieses Gärrensoder Krätschens durch Ermporheben ihrer Gärren, Darnachrufen sie in der eintretenden Pause alle laut, halb singend:„Ave Maria!"
Bei ihrem Morgenrufe um 6 Uhr, oder noch früher, fügendie Dernbacher Buben auch ein altes Wächterlied dazu:„Wachet auf, wachet auf im Namen Herrn Jesu Christ! — Derhelle Tag vorhanden ist. — Der Tag fängt an zu bleichen. —Den Armen wie den Reichen. — Ave Maria!"
Die Ramberger singen abends um 6 Uhr den Schlufz desKreuzeshymnus: „O crux, ave, spes unica. — Hoc passionistempore! — Piis adauge gratiam — Reisque dele crimina!"
Auch vor jedem Gottesdienste, am Karfreitag z. B. morgens,mittags und abends, ziehen die Gärrbuben und Klepperbubendreimal um, machen ihren Lärm und rufen darnach: „Das erste-
I "... > /.'.'...
1
m m■
I ■■ i
: i "■
RlfiiätOT:
...
■ ää
m
[■'■ ■ S
■
Wm
m■
MM
m
■ 1^■<