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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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auf dem Triangel neben der Epistelseite und 6 Kerzen aufdem Altare. Von diesen wird am Schlüsse jedes Psalmes einegelöscht, so wie die Jünger, einer nach dem anderen, den Herrnverlassen haben. Nur die grofze mittlere Kerze, das SymbolChristi, wird nicht ausgelöscht, sondern brennend abgehobenund gleich dem Herrn im Grabe verborgen, zuletzt aber auf denAltar gestellt, wo sie weiter brennt bis nach Schlufz der Metten.

Am Gründonnerstag feiern Kirche und Volk dieEinsetzung des hl. Altarssakramentes. Darum trägt der Priesterweifze Festgewänder und der Gottesdienst ist hochfeierlich biszum Gloria. Dabei klingen nochmals alle Glocken und Schellenund auch die Orgel im hellsten und vollsten Ton. Dann aberverstummen sie plötzlich und bleiben stumm bis zum Gloria amKarsamstag.

Am Gründonnerstag ist auch in grofzen Kirchen mit vielenPriestern nur eine Messe, bei der alle Geistlichen aus derHand des Bischofs oder des Celebrans die hl. Kommunionempfangen. Bei der hl. Wandlung konsekriert der Priester aberan diesem Tage zwei grofze Hostien, wovon er die einewie gewöhnlich geniefzt. Die andere wird am Schlufz der Messein einer Kapelle oder in einem Nebenaltare feierlich aufbewahrtfür die Missa praesanctificatorum am Karfreitag, bei der es keineOpferung und keine Wandlung gibt. Davor finden dann denganzen Tag über Besuche des sakramentalen Heilandes, Bruder-schaftsandachten und Betstunden der Gemeinde statt. Dadurchwird auch der Gründonnerstag ein volkstümlicher Halbfeiertag.

In den Mefzgebeten des Gründonnerstages wird uns allesvorgeführt, was uns durch die Erlösung zuteil geworden ist:Wie Christus durch seinen Tod unser Heil, durch Einsetzungder hl. Kommunion das Leben unserer Seele und durch seineAuferstehung der Urheber unserer Auferstehung ge-worden ist.

In den Bischofskirchen findet am Gründonnerstag auch dieWeihe der hl. Oele statt: Des Krankenöles zur letztenOelung der Sterbenden; des Chrisams, der bei jeder Taufe undFirmung angewandt wird, ferner bei der Bischofsweihe, bei derWeihe von Kelchen und Altären, Glocken und Kirchen; endlichdes Katechumenenöls, das bei Taufen und Wasserweihen, beiPriesterweihen und Kirchenweihen gebraucht wird. Jedes Deka-nat der Pfalz holt am Gründonnerstag diese hl. Oele persönlichdurch einen Boten im Dome zu Speyer ab und verteilt sie dannan alle seine Pfarrkirchen und Filialkirchen.

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