75
sei dem Vater und dem Sohne und dem hl. Geiste" etc. vonda an weggelassen. Im Dorfe beginnt die Vorbereitung zur Kar-woche.
Die deutsche Passion wird jährlich in der Passions-woche abends im Schulhause wieder neu eingeübt: „Das Leidenunseres Herrn Jesu Christi, wie es Sankt Matthäus beschreibet";denn sie soll nach altem Brauche am Palmsonntage mit verteil-ten Rollen und Chören bei der Pfarrmesse in der Kirche ge-sungen werden.
Mit Palmsonntag beginnt die letzte Fastenwoche, dieKarwoche. Sie ist „die grofze Woche", die LeidenswocheChristi. Zur Erinnerung an seinen feierlichen Einzug in Jeru-salem, wo ihm Palmen auf den Weg gestreut wurden, segnet dieKirche am Palmsonntage vor dem Gottesdienste Palmzweigeund Palmwische, die aus ollen Häusern von Kindern und Er-wachsenen vor die Kirchentüre gebracht werden. Nach der Weihewerden auch in der Kirche Palmzweige ausgeteilt an Geistlicheund Lehrer, an die Sänger und Sängerinnen, an die Kirchen-und Gemeindevorsteher.
Darnach wird die Palmprozession um die Kirche be-gonnen. Dabei erschallt aus jungen und alten Kehlen das feier-liche Jubellied: „Singt dem König Freudenpsalmen! — Völkerebnet seine Bahn!" etc. — Aber bei der Rückkehr zur Kirchen-tür findet der Pfarrer diese geschlossen. Nun beginnt ein latei-nischer Wechselgesang zwischen ihm und den Sängern drinnen,wobei der Geistliche dreimal mit dem Schafte des Prozessions-kreuzes an die Kirchentüre stöfzt, bis diese geöffnet wird zumfeierlichen Einzüge. Während der nun folgenden „stillenMesse", die das längste Evangelium des Jahres hat, die Leidens-geschichte Christi nach Matthäus, Kapitel 26 und 27, singt derKirchenchor des Dorfes diese Leidensgeschichte, die Matthäus-passion, deutsch mit verteilten Rollen und mit hübschen, vier-stimmigen Chören, jetzt nach J. B. Benz, sodafz alle davon er-griffen werden. Diese Passion und die Leistung der Solistenbildet dann das Tagesgespräch der Gemeinde und ist nochlange der Stolz aller Mitwirkenden.
Nach dem Gottesdienste wird vom Geistlichen durch dieKirche hin links und rechts das Weihwasser ausgeteilt wie anallen Sonntagen, aber nicht mit dem „Weihwisch" oder mit demsilbernen Aspergil, sondern mit einem Bündel geweihter, grünerBuchszweige, mit dem „Palmewisc h", der dann am nächstenAschermittwoch verbrannt wird, und die Asche liefert zur
18
SS«™«»
-■ ' Hfl
M ■
I;.?- ; H
■ 'I
■ m
IHKI
mmI
■H
Hg
22
W%
H