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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Wenn so viele gewissenhafte und arbeitsame Menschen sechsWochen lang streng fasten, dann müssen natürlich die Städterdafür doch wenigstens an den Sonntagen ihre Vergnügen haben,damit die Welt nicht plötzlich überschnappt. Die Fastensonntagesind indes auch im Dorfe keine Fasttage, aber doch wenigstensruhige, ernste Sonntage der körperlichen Erholung und derinneren Vorbereitung auf Ostern.

Ausgenommen vom strengen Ernste der 40tägigen Bufzeund Fastenzeit ist im Dorfe der Sonntag L a e t a r e oder Mitt-fasten, der uralte, volkstümliche Sommertag, der vierte Fasten-sonntag.

Am Sommertage unterbricht auch die Kirche ihreFastentrauer. Die vorgeschriebenen Priestergewänder sind darosarot, nicht violett wie bisher. Der Eingang der hl. Messelautet da nach Isaias 66:Freue dich, Jerusalem! Versammelteuch, ihr alle, die ihr es liebet. Seid fröhlich in Freude alle, dieihr in Trauer wäret, dafz ihr frohlocket und satt werdet von derFülle eures Trostes." So atmen auf Lätare oder Mittfasten eileGesänge der Messe Freude und Trost und von dort dringt derJubel hinaus in die Häuser und auf die Strafzen.

Dafz der Papst an diesem Tage auch eine goldene Tugend-rose zu weihen pflegt, die er an Würdige, zumeist an Für-stinnen, verschenkt, ist weithin bekannt.

Gleich nach dem Sonntagsgottesdienste begann die männ-liche Jugend im Dorfe auf Lätare einst ihre Vorbereitungen zurFeier des volkstümlichen Sommertagsspieles, zumKampfe des grünen, in Efeu gehüllten Sommers gegen denkalten, in Stroh gewickelten Winter. Die gesamte Jugend, jaalle Dorfbewohner, wirkten dabei mit. Schon am Morgen,gleich noch der Kerich", ziehen die kleinen Buben und Mäd-chen einzeln und in Gruppen mit ihren Sommergabeln,d. h. mit weifzgeschälten, oben zweizinkigen Haselstecken, aufdenen gelbgebackene Brezeln befestigt und mit farbigen, flat-ternden Bändern verziert sind, durch die Gassen, in die Häuserihrer Freunde und Verwandten. Sie singen dort den Sommertagan:Ri, ra, ro, der Summerdag esch dol Wichsei, Wechsel,zeig' mirs Kätzel I Wohin? DohinI Auf den grünen Wie-sen Kummt der Summer g'schlichen. Eine Kann' vollWeinI Drei Brezele hinein! Da können mer alle recht lustigsein. Ri, ra, ro, Der Summerdag esch do!"

Dafür erhalten sie Geld für eine Brezel oder für zwei undzwei rotbackige Aepfel auf die Spitzen ihrer Sommergabeln.

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