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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Abends wurden zum gewöhnlichen Nachtgebete, trotz allerMüdigkeit, regelmäßig nochdie fünf Wunden Christi" undwenigstens e i n gemeinsames Gesetz des Schmerzhaften Rosen-kranzes beigefügt. Am Samstagabende und Sonntags kam einganzer Rosenkranz dazu. Auch die Miserere-Andach-t e n an den Mittwochabenden, die Kreuzwegandachtenan den Freitagen und das Salve an den Samstagabendenwurden in der Fastenzeit bei uns immer zahlreich besucht. Dasverlangte das Mitleben mit der Kirche und mit demKirchenjahre und mit der ernsten Bufzgesinnung der Fastenzeit.

Um so auffälliger wardie Alte Weiber-Fase-nach t", die am Nachmittage des Aschermittwoch in meinerJugendzeit noch in Ramberg gefeiert wurde: Aeltere Frauen,zumeistWitweiber", kamen dazu nachmittags in einer Wirt-schaft zusammen, tranken Kaffee und afzen dazuFasenachts-küchlich". Darnach bestellten sie Wein und luden auch be-kannte und zufällig oder absichtlich vorübergehende Männerdazu ein. Sie nahmen diesen unter allerlei Neckereien dieMützen vom Kopfe und gaben diese erst wieder frei nach Zah-lung eines Schoppens oder einer Flasche Wein, die sie unterlustigen Liedern und Scherzen miteinander tranken. Das Volkmißbilligte und verspottete diese um einen Tag verspäteteAlte Weiber-Fasenacht" mit dem Vergleiche:Wenn einealte Scheuer brennt, ist sie nicht mehr zu löschen". Jetzt istauch diese Sitte erloschen und Aschermittwoch ist neben dendrei letzten Kartagen jetzt allgemein der strengste Fasttag undAbstinenztag der 40 tägigen Fastenzeit.

Die alte Fasenacht" auf Sonntag Jubilate, dreiWochen nach Ostern, ist heute nur noch im Sprichworte be-kannt:Der kommt hintennach wie die Alt Fasenacht",

Der Fastnachtssonntag: Esto mihi, und die 6 Fasten-sonntage: Invocavit, Reminiscere, Oculi etc. haben auch inder protestantischen Kirche ihre alten, lateinischen Namennach dem Introitus, dem Eingange der Sonntagsmesse, behalten. Auch die Schnepfenjäger bestimmen ihre Jagdzeit nach die-sen alten Sonntagsnamen in den allbekannten Reimen:AufOculi, da kommen sie. Laetare, das sind die wahre. Judicasind sie noch da. Palmarum, tralarum!"

In den Städten sind diese Fastensonntage, die ja überallund allgemein vom Fasten befreit sind, jetzt vielfach ausge-lassene Biersonntage mit Konzerten und Starkbieren geworden.

RBRn