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seitige Gesundheit. Neu hinzukommenden Freunden wird dasGlas dargereicht um daraus „Bescheid zu tun". Das wiederholtsich bei angesehenen Familien an allen Tischen, an denen sievorüberkommen. Ablehnung wäre eine Beleidigung. Doch darfman ein dargebotenes Glas auch annehmen und damit ringsumanstofzen auf die Gesundheit aller, die den Willkommstrunk an-geboten haben, wenn diese damit zufrieden sind, und wenn sienicht besonderen Zutrunk aus ihrem Glase zum Zeichen gegen-seitiger Ehrung und Freundschaft dennoch verlangen.
Die Mädchen sitzen auch an Fastnacht an besonderenTischen in geschlossenen Reihen ihren Brüdern und befreun-deten Burschen gegenüber. Ihnen wird der Wein in Flaschenvorgesetzt. Daraus wird jedem in ein kleines Trinkglas einge-schenkt, mit dem sie vor jedem Trünke auf ihre gegenseitige„Gesundheit" freundlich anstofzen. Auch die Mädchen nippenaus ihren Trinkgläsern und lassen ihre neuzukommendenFreunde und Freundinnen daraus trinken. Bald entwickelt sichein frohes Reden, Scherzen und Lachen. Es werden Volksliederangestimmt, in die alle Anwesenden froh und kräftig einstim-men. — Nach 11 Uhr aber gehen alle gemeinsam wieder nach-hause; denn um 12 Uhr beginnt der ernste Aschermittwoch undmit ihm die 40 tägige Fastenzeit und Bufzzeit.
Die Fastnachtsfeier ist auf dem Lande also auf-fällig kurz. Sie ist da wirklich eine Nachtfeier und dauertweniger als Y> Tag. Die „Fasenachtsküchelich" werden daerst am späten Nachmittag, nach 4 Uhr, in Oel, Schmalz oderButter gebacken. Das Oel wird zuvor „abgelöscht" durch Ein-legen einiger rohen Kartoffelscheiben.
Die „Küchelich sind rund oder länglich, warm und kaltam besten". Sie bilden aber keine Mahlzeit, kein Nachtessen,sondern werden nur nebenbei, zumeist zum Kaffee, vor undnach dem Nachtessen nach Herzenslust verspeist. In Buttergebackene sind seltene Leckerbissen. In Schweineschmalz ge-backene sind ganz kurzlebig; denn sie sind wegen ihres Schmal-zes am Aschermittwoche durch das kirchliche Abstinenzgebotverboten. Sie müssen daher am Dienstagabend alle gegessenwerden. Jetzt gibt es auch dafür Dispens.
Für ihre Mädchen formt die gütige Mutter einige besondere
Küchlein, spannelange Zöpfe. Sie werden aus zwei oder
drei Teig-Flechten gedreht. Für ihre Buben formt sie „Schnek-
kehäusle", d. h. handbreite D o p p e 1 s p i r a 1 e , die den früh-
Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 5
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