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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Darum braucht jedes Mädchen und ganz besonders jedeHausfrau in jedem Jahre einen neuen halbpfündigen, weifzenWachsstock, den sie auf Maria Lichtmefz weihen läfzt. BeiMännern und Buben sind sie nicht mehr üblich. Diese zündenim Notfalle kleine oder gröfzere Wachskerzen an, die ebenfallsgeweiht sind.

Der Wachsstock besteht aus einem Docht mit dickemWachsdraht, der in einen zylindrischen oder quadratischenKnäuel zusammengedreht ist, welcher beim Verbrennen nachBedarf losgelöst und aufgerichtet wird. Diese Drähte sind ge-wöhnlich weifz und glatt, bei stolzen Mädchen bisweilen auchfarbig und mit farbigen Wachsbildchen verziert.

Die frisch geweihten Kerzen und Wachsstöcke werden ingrofzen Kirchen, z. B. im Dome zu Speyer, an Maria Lichtmefzbei der Lichterprozession brennend mitgetragen. In den Dorf-kirchen findet am Lichtmefztage keine Lichterprozession mehrstatt.

Die Opferung geweihter Kerzen, auch geweih-ter Wachsfiguren, Wachsglieder, Wachskinder und Wachstieiein den Kirchen, besonders in Wallfahrtskirchen, auf den Altärender hl. Gottesmutter und ihrer Mutter Anna und der 14 hl. Not-helfer, ist ebenfalls ein uraltes, ähnlich schon bei den Römernweitverbreitetes Volkstum. Schmerzen und Sorgen und Not habendie Menschen aller Zeiten und Zonen auch schon lange vordem Christentume gezwungen durch Gebete und Opfer dieHimmlischen zu versöhnen und sie um ihre Hilfe anzuflehen.

Maria Lichtmefz, am 2. Februar, fällt immer noch in denWeihnachtsfestkreis. Lichtmefz bringt den Schlufz desWeihnachtsfestkreises. Der Volksspruch:Lichtmefz,das Spinnen vergefz! Bei Tag zu Nacht efz!" möchte damit auchschon den Vorfrühling beginnen; denn die Helle der Tagehat schon merklich zugenommen. Die Erfahrung und Gassenweis-heit aber spricht dagegen. Sie sagt:Der Hornung oder Horn-nickel (d. h. der Sohn des Hörn oder des Januar) ist ein grofzerZornnickel". Ferner:Wenn der Tag beginnt zu langen, kommtder Winter gegangen", und:Wenn der Dachs sich vor Licht-mefz sonnt, mufz er nochmals vier Wochen zurück in seinLoch". Darum verlängern die Frauen das Ofenfeuer und ihreSpinnabende nach dem Nachtessen wenigstens noch bis Sommer-tag. Die Männer freilich greifen an schönen Tagen schon zumWiesenbeil und zur Baumsäge um die Wiesen zu graben und die

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