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Flaschen ein, stofzen mit ihnen an und laden sie ein auf ihrWohl zu trinken. Dabei erheben sich frohe Gespräche und ge-meinschaftliche Lieder, in die auch alle älteren Festteilnehmerim Saale mit einstimmen. So vergeht der erste Abend des neuenJahres in froher Gesellschaft manchen allzu rasch.
Um elf Uhr, wenn die Glocke „Feierabend" läutet,gehen die Mädchen mit ihren Eltern still nachhause. Ihre Ver-ehre/ begleiten sie. Allein dürfen anständige junge Paare abernicht im Dunkeln gehen, wenn sie nicht öffentlich verlobt sind;denn die Sitten sind streng und gefallene Mädchen sind entehrt.Sie werden aus jeder Gesellschaft ausgeschlossen wie Gretchenin Goethes Faust. Auch in der Kirche kniet sich niemand nebensie. Man läfzt sie in keine Mädchenbank und in keine Frauen-bank ein. In meiner Jugendzeit hatte unsere Kirche noch einenbesonderen „Hurenstuhl". Er stand aber fast immer leer, bisältere, fromme Mädchen des dritten Ordens vom hl. Franziskus,die jeden Sonntag kommunizierten und daher „Betschwestern"genannt wurden, ihn aus Platzmangel besetzten und ehrlichmachten.
Junge Freundschaften und Liebschaften sind aberauch im Dorfe nicht selten. Wer keinen Schatz und keineFrau findet, der bleibt zeitlebens „ein alter Bu, oder einJunggesell, ein Halbstiewel, ein übeldraniger Mensch". ImDorfe ist tatsächlich niemand übeler daran als ein allein-stehender Mann oder ein Witwer, der sich nicht selbst kochen,nähen, waschen und flicken kann. Darum ist diese Gattung imDorfe selten. — Viel leichter kann sich ein altes, alleinstehendesMädchen und eine Witwe helfen, doch gelten auch diese alsverstofzen, verlassen und unversorgt. Darum suchen sich dieMädchen alle rechtzeitig zu versorgen, d. h. sich zur verheiraten.Das fällt gewöhnlich nicht schwer, wenn das Mädchen gesundund tüchtig ist. Die jungen Leute beiderlei Geschlechtes ken-nen ja einander und ihre beiderseitigen Verhältnisse schon vonder Schule her ganz genau. Sie können sich auch nachher jedenTag in heller Sonne mit Augen und Worten froh oder ernstbegrüfzen, in leichter und harter Arbeit nebeneinander stehenoder in freundlichem Gespräche auf allen Wegen sich begegnenund „ihre Herzen ausschütten." — Dazu bieten besonders auchalle Sonntag-Nachmittage reichliche Gelegenheit. Dagehen die Mädchen nach der Vesper in breiten Reihen, „inganzen Hängein", hübsch geputzt miteinander im Dorfe undaufzerhalb des Dorfes auf der Strafze hin und her spazieren. Sie
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