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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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schmückt. Innen ist es gefüllt mit zuckerigen Bohnen undErbsen und mit Stückchen vom geleerten Christbaum.

Diese Fülle, welche die Kleinen oft kaum tragen können,bespottet der Bubenwunsch:Glückselig's neues Johr! EinBrezel wie ein Scheuertor, Einen Kuchen wie ein Mühl-rad. Dann werden wir alle miteinander satt."

Wer viele Paten hat, der hat viele Kosten. Er mufz sichrichten; denn sie kommen am Neujahrstage alle und ebenso anOstern mit ihren grofzen, weifzen Servietten um ihre Patenge-schenke abzuholen. Wer aber nicht zum Grufze und Glück-wunsche kommt, der erhält auch nichts. Die Kleinsten, die nochnicht allein laufen und ihr Sach nicht abholen können, er-halten von ihren Paten Kleidungsstücke.

Am Neujahrsabend, am 1. Januar von 8 Uhr an,wird in den Wirtschaften der Schiefzerwein getrunken Dazudürfen nach altem Brauche auch die erwachsenen Mädchenund die Frauen, dazu auch die Mägde mit ins Wirtshaus. DieseFreiheit ist den Mädchen sonst nur noch an Fastnacht und anKirchweih gestattet. Den Frauen ist der Wirtshausbesuch auchnoch am zweiten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttage, alsosechsmal im Jahre erlaubt, nicht öfter.

Die Wirtsfrauen haben an diesen drei allgemeinen Fami-lienabenden des Dorfes, an Neujahr, Fastnacht und Kirchweih,die Ehrenpflicht ihre weiblichen Gäste zu begrüfzen und mitZimtkuchen, an Fastnacht mitFasenachtsküchelich" gratis zubewirten. Die Kuchen werden in hochgefüllten Tellern aufge-tragen mit der Bitte, der Wirtin Ehre anzutun. Die Frauen undMädchen essen davon, doch nicht viel; denn das wäre unan-ständig. Auf der Wirtin wiederholte Einladung zum Essen er-folgt die übliche Antwort:Ich danke, wir haben daheim ja auchgebacken". Die Erwiderung lautet:Ja freilich, aber am frem-den Tische und zum Wein schmeckt es doch besser".

An der Wirtstafel sitzen die Eheleute, Mann und Frau,nebeneinander in bunten Reihen. Die Mädchen dagegen sitzenimmer in einer geschlossenen Reihe beisammen und ihnengegenüber, an der anderen Tischseite, die Burschen, ihre Brüderund Verehrer, die ihnen das Neujahr angeschossen haben Vorjedem Burschen und Mädchen steht ein Trinkglas. Die Mäd-chen zahlen den Schiefzerwein. Er wird in Literflaschen aufgetra-gen, die von den die einzelnen Flaschen zahlenden Mädchen mitkleinen, roten Bändchen geziert werden. Die Mädchen schen-ken ihrem Verehrer und all ihren Tischgenossen aus diesen