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hl. Johannes, des Liebesjüngers Christi, der beim Abendmahleam Herzen des Heilandes ruhte, ist in der Kirche heute nochein festum duplex zweiter Klasse mit Oktav, beim Volke aberkein Feiertag mehr. — Die Legende erzählt, man habe dem hl.Johannes einst vergifteten Wein gereicht. Er habe ihn gesegnetund dann ohne Schaden getrunken, oder es sei beim Segen einegiftige Schlange aus dem Becher emporgeschnellt. Zum An-denken daran segnet die Kirche am 27. Dezember den Johan-niswein und verteilt ihn auch im Dorfe an alle, die zumAltare kommen. Gute Familien lassen durch ihre Kinder je eineFlasche Wein zur Kirche tragen und segnen. Sie trinken ihndann gemeinsam bei Tische als Johannessegen oder als Johan-nisminne. Ebenso am 17. März die St. Gertrudsminne.Sie wiederholen dabei den Zuspruch der Kirche: „Trinke, dieLiebe des hl. Johannes."
Weihnachten ist auch das Fest des Mitt-Wintersund dieser „hat das Recht zu gefrieren und zu schneien". UrnWeihnachten soll der Himmel hell, das Wetter kalt sein. Wenndann der Schnee unter den Füfzen knirscht, ist es den Bauernrecht; denn „wenn's nicht wintert, sommert's auch nicht".„Grüne Weihnachten bringen weifze Ostern, weilze Weih-nachten, grüne Ostern". Wenn um Weihnachten „Frau Holleihr Bett macht, dafz die Flocken niederfallen so grofz wie einePelzkapp", dann setzt sich der Bauer zufrieden hinter denwarmen Ofen; denn der Schnee wärmt und düngt seine Saat-felder und bringt ihm ein fruchtbares Jahr.
Acht Tage nach Weihnachten, am 31. Dezember, ist derSilvesterabend. Da beginnt das bürgerliche Neujahr.Die Kirche hält an diesem Abende um 6 Uhr eine kurze, feier-liche Andacht mit Schlufzpredigt und Lobgesang: „Grofzer Gott,wir loben Dich". Sie fügt dazu Dankgebete für alles Gute imalten Jahre. Wem es Not und Leid gebracht hat, der betetstill um ein glücklicheres neues Jahr und wischt sich tapterund schweigsam die Tränen aus den Augen. Inzwischen töntaus jungen und alten Kehlen das Neujahrslied: „Das alte Jahrverflossen ist, wir danken Dir, Herr Jesu Christ" etc.
Die Buben der obersten Schulklasse aber nehmen diesesGesangbuchslied nach Schlufz der Abendandacht sofort auf undtragen es am gleichen Abend nur wenig verändert als ihrenNeujahrswunsch von Haus zu Haus. Sie gehen dabeidicht geschart in alle Häuser und singen: „Das alte Jahr ver-flossen ist. — Das neue Jahr vorhanden ist. — Wir danken Dir,Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 4
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