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Dorfe nicht tragen. Das brächte laute Empörung und Wider-stand an der Kirchentür. — Der Bräutigam trägt jetzt gewöhnlicheinen schwarzen Gehrock und einen Filzhut oder Zylinderhutbei seiner Hochzeit. Sie bleiben sein Festkleid bis zu seinemTode.
Vier Wochen vor der Hochzeit erfolgt der öffentliche,amtliche Anschlag der Brautleute „im Kastei am Gemeinde-haus". Das Schriftstück wird von der Braut und ihren Freun-dinnen ringsum mit „gebackenen", d. h. künstlichen Blumen-sträufzen und roten Seidenbändern geschmückt. — Gleichzeitigwerden die Brautleute in der Kirche an drei Sonntagen hinter-einander von der Kanzel herab „ausgerufen" um etwaige Ehe-hindernisse festzustellen und zu verhüten. Am Sonntage derersten Ausrufung gehen Braut und Bräutigam gewöhnlichanderswohin zum Gottesdienste, oder zum Einkauf ihrer Kleiderund Ausstattung, um nicht von allen angeschaut zu werden.
Die katholischen Hochzeiten werden gewöhnlich an einemMarientage, also Samstags gehalten, verbunden mit einemHochzeitsamte und mit gemeinsamer Generalbeichte und Kom-munion der Hochzeiter in der Ortskirche. Voraus geht derBrautunterricht und das Brautexamen der beiden Braut-leute zur Einschärfung der Standespflichten durch den Geist-lichen im Pfarrhause.
Am Vorabende vor der kirchlichen Trauung ist „die Kopu-lation" oder Ziviltrauung durch den Bürgermeister indem Gemeindehause. Dabei schwört der Bräutigam auch denBürgereid, wenn er nicht zuvor schon als Soldat einen Treueidgeleistet hat.
Am Hochzeitsmorgen geht der feierliche Hochzeits-zug paarweise unter festlichem Glockengeläute und unter laut-krachenden Freudenschüssen zur Kirche. Voran gehen diekleinen, weißgekleideten Kranzmädchen. Ihnen folgen die er-wachsenen Brautjungfern, gleich der Braut weifz gekleidet undfestlich bekränzt, Arm in Arm mit ihren Brautführern. — DieBrautführer sind gleich dem Bräutigam in schwarzen Festtags-kleidern, mit bunten oder weifzen Feststräufzen vor der linkenBrustseite geschmückt. — Weil die Braut von einem der Braut-führer, der Bräutigam von einer Brautjungfer zur Kirche geführtwird, kann ein Fremder das Brautpaar im Festzuge nicht leichtherausfinden. Erst am Altare und auf dem Heimwege gehenund stehen die Brautleute beisammen, der Mann auf der rechten