36
Kleinbauern selbst. Denn gedieh ihm etwas gut, so galt esnichts; alle Bauern ringsum hatten den gleichen Ueberfluiz. Galtein Produkt viel, dann war es überall rar, und der Bauer hattenichts oder nur wenig davon zu verkaufen. Auch wenn er alleszum Leben Nötige pflanzte, wenn er Obst, Brotfrucht und Kar-toffeln im Ueberfluiz besafz, so fehlte ihm doch oft die günstigeVerkaufsmöglichkeit und darum dann auch das nötige Kleingeldfür Steuern und Umlagen, für Salz und Oel und für die unent-behrlichen Krämerwaren. Durch die Eisenbahnen und Last-autos ist das jetzt etwas besser geworden.
Arm sind unsere hinterpfälzischen Kleinbauern aber bisheute noch geblieben; denn ihre Aecker sind noch immer steil,mager und unergiebig. Jeder Ertrag mufz ihnen mit harter Ar-beit abgerungen werden. Darum ist es oft ein wehmütiger undtrauriger Scherz, wenn am Stephanstag auch Eheleute einanderfragen, ob auch sie bündeln sollen, oder wieviel Lohn eines vomandern im neuen Dienstjahre wohl erhalten wird?
Die Ehe legt in unseren Walddörfern tatsächlich beidenEheleuten fortgesetzt einen harten Dienst und schwere Opfer,Mühen und Entbehrungen auf. Ihr „Ehestand ist ein Wehe-stand". Dieser ist zumeist um so härter, je mehr Aecker siebesitzen und jährlich bearbeiten müssen. Trotzdem halten siefast ausnahmslos alle tapfer und treu, fest und fleifzig beiein-ander aus, bis sie der Tod scheidet; denn „gute Ehen werdenim Himmel geschlossen" und sollen zum Himmel führen.
Drei starke Bänder verbinden die ländlichen Ehe-gatten unzertrennlich mit einander: Ihre Kinder, ihre Religionund ihr Volkstum.
Die Religion regelt das gesamte innere Leben derFamilie. Sie lehrt die christlichen Eheleute beten und arbeitenund mit Ergebung in Gottes Willen ihr Schicksal, auch dashärteste, still und stark ertragen. Sie gibt vielen braven undstillen Duldern Heldenmut und Kraft von Märtyrern, die alles,selbst ihr Leben einsetzen für die Ihrigen, für die Familie, fürdie Heimat und das Vaterland,
Trotz vieler harten Erfahrungen will aber im Dorfe dochniemand ledig bleiben. Besonders „die alten Buben" werdenda schief angesehen und von allen verlacht: „Hat en Schnurresun en Backebart — Un noch net emol en Schatz". Darum sor-gen alle, besonders die Mädchen, frühzeitig für ihre rechte Aus-bildung und Ausstattung zur Ehe, die zwischen dem 20. und30. Lebensjahre geschlossen wird.