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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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kleine Kerzen oder auch für ein niederes Wasserglas mit einemauf Wasser schwimmendem Oellichte, das beim Nachtgebete,bei Gewittern und an allen Samstagabenden beim Rosenkranz-gebete angezündet wird. Zu beiden Seiten hängen zwei Hei-ligenbilder an den Wänden. In meinem Elternhause waren eszwei gute Kupferstiche: Rechts die gewaltig wirkende Kreuz-abnahme von Rubens, links die liebliche Himmelfahrt Marianach Murillo. Der Blumenschmuck dieser Ecke ist Sache derMädchen. Er richtet sich nach deren Feinsinn und nach denJahreszeiten.

Eine Stunde vor Mitternacht, vor Beginn der Christmette,wenn esSchreck läutet", werden die Schläfer aufgeweckt.Hof und Ställe werden nochmals durchleuchtet und verwahrt,die Dorfwachen werden verdoppelt und die Familien gehen dannalle gemeinsam zur Christmette in die Pfarrkirche. Die Dern-bacher gehen in dieser Nacht nach Ramberg. Den Vortritt habennatürlich die Schulbuben, die den Aufbruch ohnehin fast nichterwarten können-

Die Christmette beginnt jedesmal mit dem lautschal-lenden Ambrosianischen Lobgesange:Grofzer Gott, wir lobenDich", in den die ganze Gemeinde, jung und alt beiderlei Ge-schlechtes, nach Kräften mit einstimmt. Die vielen Lichter amAltare und die weifzen Gewänder des Priesters, das feier-lich gesungene Hochamt mit Gloria und Credo, mit Alleluja undIte missa est in dunkler Nacht, erwecken und heben die Fest-tagsstimmung tief und mächtig in allen Herzen.

Dazu kommen an manchen Orten auch noch die Weih-nachtskrippe und ein grofzer Christbaum in der Kirche.Dazu kommen die beliebten, recht volkstümlichen Weih-nachtslieder, die aus der Kirche mitgenommen und inalle Familien und Häuser hineingetragen werden, wo sie dieganze Oktav und Festzeit, ja das ganze Jahr hindurch weiter-klingen:O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weih-nachtszeit!"

Nach der Christmette, gegen 1 Uhr morgens, werden inden Häusern die Christbäume angezündet, damit sie den Kir-chenleuten auf ihrem Heimweg leuchten. Deswegen, und damitalle die reich geschmückten Bäumchen auch recht sehen undihre Schönheit bewundern können, werden diese in der hl.Nacht mit dem Tische möglichst nahe an das Fenster gerückt.In Silz und Umgebung werden sie deswegen sogar in die Fen-sterleibungen gehängt.

Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 3

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