Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

giefzt Diese treffen zwar in jede Weite und nach jeder Rich-tung, zuletzt aber den eigenen Schützen; denn es liegt ein Fluchdarauf und böse Geister helfen den Menschen nur um sie ewigzu verderben.

Brave Familien bleiben darum am hl. Abende nach derChristbescherung still und friedlich beisammen zuhause im war-men Zimmer. Die Kinder betrachten immer wieder ihrenZuckerbaum und ihre Spielsachen, werden aber gegen 10 Uhrschlafen gelegt.Die Grofzen" rüsten alles zum FeiertageNötige, setzen sich dann an den warmen Ofen, in den dicke undlanganhaltende, eigens dazu gerichtete Holzklötze gelegt werden.Dann erzählen sie von alten Zeiten und Sagen und von eigenenErlebnissen. Die Eltern greifen dann auch zu ihren Gebet- undErbauungsbüchern und fordern schliefzlich die ganze Familieauf zum gemeinsamen Rosenkranze, wie er in vielenBauernhäusern noch vor allen Festtagen und an allen Samstag-abenden gemeinsam gebetet wird. Dazu knieen sich alle aufden Boden nieder, das Gesicht gegen den Christbaum gerichtet.Die Eltern stützen ihre Arme auf den Tisch, die Jüngeren ge-brauchen ihren Stuhl als Armstützen. Die Mutter oder auchdie älteste Tochter nimmt ihren Rosenkranz zur Hand, der ge-weiht und mit vielen Ablässen begnadet ist Sie beginnt dieGesetze vorzubeten bis zu dem Geheimnisse. Dann setzen jedes-mal die Mitbeter alle gemeinsam ein, bis die fünf Gesetze mit je10 Ave Maria gebetet und betrachtet sind. Dann fügt sie gewöhn-lich noch die Lauretanische Litanei an wie an allen Samstagen,die ja auch alle der hl. Jungfrau und Gottesgebärerin geweihtsind. Dazu kommen die besonderen Anliegen der Familien, dieeinzeln genannt werden. Den Schlufz bildet an Weihnachtendie Begrüfzung des Christkindchens nach demGesangbuche Salve Regina. 3 )

In der Advents- und Weihnachtszeit wird immerderfreudenreiche Rosenkranz" gebetet. Der Schmerzhafte folgt inder Fastenzeit, der Glorreiche nach Ostern. Die Wendungder Beter zum Christbaum soll natürlich nur das Ereignis desTages lebhaft vor die Augen stellen und die geistige Sammlungerleichtern, wie sonst der Aufblick zur Herrgottsecke oder zudem Hausaltärchen.

Diese Herrgottsecke mit dem Hausaltärchen ist die Stuben-ecke gegen die Kirche hin. Darin ist in Kopfhöhe ein Eckbrettbefestigt, auf dem ein kleines Kruzifix steht oder hängt. Davorist noch Platz für zwei Blumenvasen und für eine oder für zwei