Druckschrift 
Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

liches Krützel hängen bleiben; denn das erregt den Zorn derGeister und bringt Unsegen.

Weil am hl. Abende alle Geister frei sind, gehen um Mitter-nacht auch böse Gespenster in Menschen- und Tiergestalten um.Sie kommen auch als Jäger mit grünen Hüten und langen Hahnen-federn, als Falschspieler, Trinker und Flucher sogar in anstän-dige Wirtschaften. Wer sich da mit ihnen einläfzt, sündigt undverliert. Sie brechen ihm das Genick um Mitternacht, kurz be-vor es zur Mette läutet. Davon wissen alle sehr schaurige Bei-spiele zu erzählen. Darum ist der Wirtshausbesuch und dasKartenspiel am hl. Abende von der alten Sitte streng verboten.

Nicht minder gefährlich ist in der Weihnacht, besonderswährend der Christmette, der Aufenthalt im Freien. Auf denStrafzen gehen schwarze, gefährliche Hunde um, so besondersam Hubersbrunnen und am Hermersbrünnel zwischen Albers-weiler und Ramberg. Wer sich durch diese von der Strafzen-mitte abdrängen läfzt, ist verloren. Im Wiesentale danebenröhren gespenstische Rehe mit feuerigen Augen, dort jammernauch die wegen ihrer Sünden verdammten und schwer gequältenGeister. Wer ihnen zuruft, dem springen sie auf Brust oderNacken, öder sie grinsen ihn unheimlich durch das Fenster an.Beweise dafür werden im Dorfe viele erzählt. Um den unter-sten Dorfbrunnen zu Ramberg läuft in den Rauhnächten öfterauch ein schwarzes Kalb mit feuerigen Augen. Durch das Dorffährt vor Weihnachten um Mitternacht lautlos eine geschlos-sene, schwarze Geisterchaise. Sie verschwindet plötzlich spur-los am Brunnen vor der Kirche. Wo verzauberte Schätzebegraben liegen, glühen in der hl. Nacht rote Feuer. LoderndeIrrwische fliegen verlockend über sumpfige Wiesen. Auch inihnen leben gebannte Geister, die Böses sinnen. Sogar diefriedlichen Haustiere im Stalle werden in der hl. Nacht un-heimlich. Sie fangen um Mitternacht zu reden an und be-sprechen die Zukunft. Ein Mann, der das nicht glauben wollte,legte sich heimlich unter die Krippe. Da hörte er um Mitter-nacht einen seiner Ochsen den andern fragen:Was schaffenwir übermorgen?"Unsern Herrn zum Grabe fahren", sprachder andere. So kam es auch: denn ihr Herr starb aus Schreckendarüber und seine Ochsen zogen den Leichenwagen.

Wer in der hl. Nacht hochmütig in den Spiegel schaut, dengrinst der Teufel an. Wer da Blei giefzt um die Geliebte oderum die Zukunft zu erkennen, der begibt sich in Lebensgefahr. Sicher verfällt dem Teufel, wer um Mitternacht Freikugeln

Hilf

.-. m

HHHBH

sSsMKää

I ':

Ä

m

l

jIsSIe