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Volkstum und Kirchenjahr : ein Beitrag zur Volkskunde der Pfalz
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Christkind will sie überraschen. Darum geht im Advent einheiliges Geheimnis durch jedes Haus. Alle Erwachsenen wollenbei dieser Ueberraschung mitwirken und durch heimlich ge-fertigte Gaben und Handarbeiten die Weihnachtsfreude mehrenhelfen. Auch die Kleinsten lernen dazu fleifzig. ihre Weih-nachtsgedichte und Lieder und Musikstücke, um das Christkindzu begrüfzen und um die Eltern zu erfreuen. Freudig glänzenihre Augen und lebhaft pochen die kleinen Herzen, wenn dassilberhelle Glöcklein des Christkindes alle im Hause zum hellleuchtenden Christbaume ruft. Unvergeßlich wird das Weih-nachtsfest besonders für jene Kinder bleiben, denen das Christ-kind, schön wie ein weifzgekleideter Engel mit goldenem Dia-dem, selbst einmal seine Gaben bringt. Nicht minder für jene,denen eine liebende Mutter in seinem Auftrage einmal persön-lich die süfzen und schönen und praktischen Weihnachtsgabenim Glänze des Christbaumes richtig verteilt hat, verbunden mitliebevollen Worten und mit freundlichen Liebkosungen.

Weihnachten ist in allen Dörfern und auch in den Städtendas Hochfest der Liebe und des innigen Familienglückes, dasauch jeden Geber innerlich froh und glücklich macht, der selbst-los andere beglückt. Noch im Greisenalter denken darum allegerne zurück an die seligen Stunden der Christbescherungenim Elternhause bei Vater und Mutter und Geschwistern.

Im Dorfe ist auch an Weihnachten alles viel einfacherals in der Stadt. Die Schmückung des Christbaumes in derallgemeinen Wohnstube und die Verteilung der Weihnachts-gaben findet da erst nach dem Nachtessen statt, wenn alleHausarbeiten beendet sind. Darnach mutz Ruhe und Friedeim Hause sein. Die Kleinen spielen noch ein Weilchenmitihren Christkindekhern" und werden dann zu Bett gebracht.Die Großen waschen und kleiden sich zur Christmette und grei-fen darnach zum Gebetbuche. Zu arbeiten ist am hl. Abendnicht üblich und nicht erlaubt. Insbesondere ist da das Spinnenverboten; denn in der Weihnacht spinnen die Geister selbst amSchicksale der Menschen. Sie ziehen in der hl. Nacht alle freiin den verschiedensten Gestalten durch Dorf und Flur. Sieschauen durch die Fenster, prüfen die Menschen und ihre Ar-beiten, helfen den Frommen, strafen die Trägen und Unordent-lichen. Hellseher können ihre grofzen feuerigen Augen durchdas Dunkel leuchten sehen und ihre Spinnräder in einsamenTälern surren hören. An den Spinnrocken der Mädchen abersoll über Weihnachten kein verworrener Flachs, kein unordent-