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Sie war bei uns Dörflern und Kindern aber auch eine hoff-nungsreiche Vorbereitungszeit auf die Gaben des Christkindesan Weihnachten und zugleich eine Erinnerung an die 4000Jahre vor Christi Geburt, in denen einst die Völker nach demWelterlöser sich sehnten. Wir verstanden diese Sehnsucht undteilten sie, besonders in kalten Wintern, wenn sich alles nachLicht und Wärme und Erlösung sehnte. Wir brachten sie auchlebhaft zum Ausdrucke in den feierlichen Rorate-Messen,die wöchentlich zweimal, Dienstags und Freitags, schon um6J4 Uhr morgens, noch im Morgendunkel, voll innerer Unruheeine Stunde früher als die sonstigen Frühmessen und Schul-messen in der Kirche gesungen wurden. Dabei wollten natürlichauch die kleinsten Buben und Mädchen nicht fehlen mit ihrenbrennenden Wachsstöcken und Wachskerzchen. Wenn dieRorateglocke durch das Morgcndunkel hallte, war auch beiihnen aller Schlaf dahin. Schlecht und dünn gekleidet und ohneFrühstück eilten viele trotz Regen und Schnee frohgemut zurKirche um das erste Adventslied: „Tauet Himmel den Gerech-ten, Wolken regnet ihn herab!" aus voller Brust mitzusingen.
Dabei regte sich in allen auch schon die frohe Hoffnungauf die baldige Ankunft des Christkindes mit seinem Licht undmit seinen sülzen Gaben. Wenn dann im Advent ein Morgen-rot oder Abendrot am Himmel sichtbar wurde, dann wurdeüberall auch der Kinderjubel laut: „Der Himmel ist rot! DasChristkindchen backt Zuckerbrot." So sangen sie in den Häu-sern und auf den Strafzen.
Im Advent wacht, nach dem Volksglauben, auch bei denunerlösten Geistern die innere Unruhe und die Hoff-nung auf Erlösung jährlich wieder auf. Seufzend schweben siedann durch die kalten Morgennebel dem Dorfbache entlang undharren frierend auf ihre Erlösung. Sie werden umso zahl-reicher und ungeduldiger, je näher Weihnachten herankommt.Doch nur Hellseher und Sonntagskinder können sie erblicken.Wie oft spähten aber auch wir durch Rauhreif und Morgen-dunkel nach diesen hinschwebenden Geistern und beneidetendie Hellseher.
Zu den anfänglichen, lichten Erscheinungen, zu den hol-den Unerlösten, gesellen sich bald auch noch viele unholdeGeister und Gespenster, die wegen ehemaliger Freveltaten um-gehen müssen. Darunter ist auch der Einaug von Scharfen-eck, auch „Schlosser und Mantel" genannt. Ihn, den „Schlofz-herr", im weiten, dunklen Mantel haben schon viele gesehen;Dr. Grünenwald, Volkstum und Kirchenjahr. 2
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